Lexikon

Handwörterbuch der Textilkunde aller Zeiten und Völker für Studierende, Fabrikanten, Kaufleute, Sammler und Zeichner der Gewebe, Stickereien, Spitzen, Teppiche und dergl., sowie für Schule und Haus, bearbeitet von Max Heiden, Stuttgart 1904

Gesamtindex
Eintrag: Leinendamast
Leinendamast, (franz.: linge damassee; engl.: linnen-damask); wird in den besten Arten aus feinsten Leinengespinsten, auch mit Seide, in ge­wöhnlicheren Sorten mit Vermischung von Baum­wolle gewebt. Das Gewebe selbst ist wie jeder
andere Damast durchweg ein fünf- bis achtbindiger, in den feinsten Sorten zwölfbindiger Köper oder Atlas Leinendamast zeigt von allen D. die grösste Mannigfaltigkeit mit Rücksicht auf Muster, Feinheit und Breite; er wird gegenwärtig fast nur noch abgepasst, d. h. nach bestimmtem Mass mit Einfassung, Mittelstück und Ecken gearbeitet und zu Tafeltüchern, Servietten und Handtüchern ver­wendet. Derselbe ist ganz weiss, indem das Muster auf der einen Seite glänzend in mattem Grunde, auf der anderen matt in glänzendem Grunde er­scheint, oder weiss und gelblich (naturfarbig), in­dem die Figur auf der einen Seite hell in dunk­lerem Grunde, auf der anderen dunkel in hellerem Grunde erscheint. Der älteste Leinendamast wird in Nachahmung des italienischen Seidendamastes im 16. Jahrhundert in Deutschland (Augsburg) erzeugt, die Musterung ist anfangs geometrisch: schachbrettartig, mit Sternen oder aus sogen, versetzten Steinmustern, die auch in ältesten sizilianischen Seidendamastgeweben erscheinen. (Vgl. Abb. 55.) Im 17. Jahrhundert wird Sachsen in der Leinendamastweberei berühmt, ihre Musterung folgt dem Stile der Zeit (Abb. 172), woselbst das geknickte Band vorherrschend ist; später aber das Blumenmuster bevorzugt. (Abb. 173.) Böhmen und Schlesien werden im 18. Jahrh. für Leinendamastweberei bedeutend; aus Schlesien und Sachsen kommen in vielen Beispielen die sogen. Friedens decken (Abb. 174), welche zur Erinnerung an die Friedenschlüsse von Breslau (1742), von Dresden (1745) und von Hubertsburg (1763) gewebt worden sind. — Vgl. E. Kumsch, Leinendamastmuster des 17. und 18. Jahrh. Dresden 1891.
Abbildungen:

Abb. 172. Darstellung aus Kumsch, Leinendamastmuster, Bl. VI: Borte eines Leinen­damasttuches mit Ornament aus Band- und Blattwerk. Sachsen Anf. 18. Jahrh.

Abb. 173. Darstellung wie vorher, Blatt VI: Teil einer Leinendamastdecke, rot und weiss mit Rand aus Früchten und Blumen, in Mitte Blumenkorb. Sachsen Mitte 18. Jahrh.

Abb. 174. Darstellung aus der Zeitschrift: „Sammler-Daheim“, 1902, Nr. 20: Leinen­damasttischdecke , zur Erinnerung an den Frieden von Hubertsburg gewebt. Rand mit Jagdscenen, in Mitte Darstellung der Herrscher mit dem Alliancewappen und dem Schloss Hubertsburg. Sachsen 1763.

Abb. 55. Originalaufnahme aus dem Kaiser Friedrich-Museum in Berlin: Leichte Seidendamastgewebe rot, Muster in Rautenfeldern aus abgesetzten geometrischen Figuren. Arabisch-sizilisch 13. Jahrhundert.