Hamburger Kunsthalle
20095 Hamburg
Glockengießerwall

Parcours: Sternenwege. Ein kosmischer Gang durch die Sammlung

Laufzeit: 23. September 2005 bis 12. Februar 2006

Funkelnde Sterne am Himmel – Jahrmilliarden können die Lichtsignale alt sein und von Gestirnen stammen, die längst verglüht sind. Das Firmament zeigt sie vereint neben allerjüngsten – für unser Auge ununterscheidbar. Visualisierbar sind neue naturwissenschaftliche Entdeckungen im Kosmos schon längst nicht mehr. Und Einsteins Erkenntnis, dass Raum und Zeit als wechselwirkende Einheit zu begreifen sind, sprengt gar unsere Vorstellungskraft –. Dennoch, wir versuchen uns ein Bild zu machen. Es geht um nicht weniger als um unser Welt-Bild. Die Frage nach dem Bauplan des allumfassenden Weltalls ist verbunden mit der Suche nach dem Sinn der menschlichen Existenz. Der Antrieb für Naturerforschung wie Kunstwollen ist die Neugier. Hier ist es der Wunsch, unseren Blick zu erweitern bis hinter die Oberfläche des Himmelszeltes.

Dieser Blick kann schwindelerregend sein, wie in dem historisierenden anonymen Holzstich, der 1888 in einem populärwissenschaftlichen Astronomiebuch von Nicolas Camille Flammarion veröffentlicht wurde und viele Künstler beeinflusst hat (z. B. Max Ernst, Stephan Huber).
Von dem Wandel intensiver künstlerischer Auseinandersetzungen zeugt unser Parcours und macht darin Geistesgeschichte sichtbar:
Er startet im Mittelalter, das die antiken astronomischen Erkenntnisse ignoriert zu Gunsten der Vorstellung einer von Gott erschaffenen, sphärenumringten Erdscheibe (Meister Bertram, Meister Francke, Meister der E-Serie). In der Renaissance zeigen sich erste Bemühungen um Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse, die die neuzeitliche Vorstellung vom unendlichen Weltall einläuten (z. B. Dürer). In Zeiten von Kopernikus, Galilei, Kepler beginnt eine abstrakt-geometrische Sicht auf die Gestirne; astronomische Geräte werden für Standortbestimmung oder auch zur Belehrung und Unterhaltung genutzt (Heyden, Amigoni-Nachfolger, Pether, Bol, de Wit). Doch auch von Kometenfurcht (Provost) und Aberglaube (Pencz, Beham) erzählt der Parcours, von der engen Beziehung von Astronomie und Astrologie bis ins 17. Jahrhundert hinein – sowie von späteren Rückgriffen (z. B. Schilling, Spitzweg).

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