Mori-Ôgai-Gedenkstätte
10117 Berlin
Luisenstr. 39

Straßendeckel in Japan - Kunst auf dem Weg - Fotoaussstellung von Annett Stroetmann

Laufzeit: 19. April 2007 bis 09. Oktober 2007

"Die hätt' ich gern verkleinert als Brosche!" ­ spontane Reaktion weiblicher Betrachter beim Anblick der Fotos von Straßendeckeln in Tokyo und Kyoto von Annett Stroetmann.

Begeisterte Ausrufe wie diese sind bei einem Gang durch die Berliner Straßen wohl kaum zu erwarten, falls man im Alltag die heimischen Exemplare überhaupt beachtet bzw. annähernd Auskunft zu geben vermag über die Formen, die hierzulande vorherrschen.

Wenn man, wie die gelernte Industrie- Designerin und Goldschmiedemeisterin das Glück hat, zur Kirschblütenzeit in Japan zu weilen, würde in dieser Jahreszeit wohl kaum jemand den Blick vorwiegend auf den Boden richten. Es sei denn, man besitzt wie sie ein ausgesprochenes Faible für Industriekultur, ganz gleich ob im Design oder der Architektur, für Strukturen in der Gestaltung von Alltagsgegenständen gepaart mit einer Leidenschaft für's fotografische Festhalten. Hinzu kommt eine etwa siebenjährige Fokussierung des Themas Straßendeckel - seit einem Aufenthalt in Mittelitalien -, wo ihr zuerst die historischen, liebevoll geschützten Exemplare auffielen, sie zu fotografieren, zu dokumentieren begann. Die Auszeichnung, die sie wenig später in Japan für ihren Entwurf von Essstäbchen-Auflagen erhielt, hat ihre Vorgeschichte u.a. in der langjährigen Freundschaft mit japanischen Kommilitonen und der Orientierung an den dortigen Gestaltungs-Standards: Konsequent sein, nicht unbedingt Trends folgen, das Alte schätzen mit seiner hohen Ordnung und immer den Zusammenhang zwischen Dingen und Menschen sehen. "Nach dem anfänglichen 'Erschlagen sein' von den absolut fremden Eindrücken, dem fasziniert Sein von Japan, den liebevollen Details" stolperte sie förmlich über die Straßendeckel, die sie modern und uniform erwartet hatte, war überrascht von der Vielfalt, der Kreativität der Ausführung und vor allem der sorgsamen Einbettung in das jeweilige Umfeld.

Weshalb einige ihrer Fundstücke jetzt in der Mori-Ôgai-Gedenkstätte zu sehen sind, ist ein weites Feld. Es hat nicht nur damit zu tun, dass Annett Stroetmann "zufällig" in Tokyo im Suigetsu-Hotel wohnte, in dessen Innenhof Mori Ogai die Berliner Novelle "Das Ballettmädchen" verfasste, von wo aus sie im Ueno-Park auf die ersten erstaunlichen Straßendeckel stieß. Der Hygieniker Mori Ogai hatte sich 1888 nach der Rückkehr in sein Heimatland, analog zu Rudolf Virchow in Berlin, für die Beseitigung der hygienischen Missstände in der wachsenden Großstadt durch den Bau einer Kanalisation eingesetzt, war deren geistiger Wegbereiter. 1887, als er noch bei Robert Koch die pathogenen Bakterien im Spreewasser untersuchte und Berliner Kläranlagen besichtigte, befand sich der Erbauer und Architekt der Berliner Kanalisation James Hobrecht gerade in Japan auf einer selbst verordneten "Dienstreise" und wirkte dort an Entwürfen sowohl für das Regierungsviertel als auch an Plänen für eine Kanalisation in Tokio mit. Es gibt eine Geschichte der unterirdischen deutsch-japanischen Beziehungen, an die diese Ausstellung anknüpft, indem sie die Aufmerksamkeit auf einen oft vernachlässigten Bereich lenkt, in dem Japan Maßstäbe setzt.

Text: Beate Wonde

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Kategorien:
Fotografie |  Ausstellungen im Bundesland Berlin | Ort:  Berlin |
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