Nassauischer Kunstverein
65185 Wiesbaden
Wilhelmstraße 15

+ PLUS + Vordemberge-Gildewart Stipendiaten
Yves Netzhammer / Angela Glajcar / Christiane Löhr / Erica von Moeller / Sascha Pohle / Katja M. Schneider

Laufzeit: 02. September 2007 bis 06. Januar 2008

Am 1. September 2007 eröffnen das Museum Wiesbaden und der Nassauische Kunstverein die Ausstellung + PLUS +. Insgesamt 32 Künstler zeigen mit neuen Arbeiten und Projekten einen vielfältigen und spannenden Querschnitt durch die zeitgenössische Kunst der letzten zehn Jahre.

Die in der Schweiz ansässige Stiftung Vordemberge-Gildewart fördert seit 1983 junge Kunst in verschiedenen Ländern Europas. Das Stipendium gehört zu den am höchsten dotierten Auszeichnungen für junge Kunst in Europa. Einen ersten Überblick über die Kunstförderung der Stiftung hatten der Nassauische Kunstverein und das Museum Wiesbaden bereits 1994 ausgerichtet. Jetzt folgt eine zweite Werkschau der seither für die Förderung ausgewählten 32 Künstlerinnen und Künstler, die nach ihrer Auswahl durchweg eine spannende künstlerische Entwicklung genommen haben und von denen in diesem Jahr zwei an der Biennale Venedig beteiligt sind.

+ Grenzüberschreitend mit Blick auf das Stiftungsland präsentiert der NKV in einem umfangreicheren NKV extra darüber hinaus den letzten Schweizer Preisträger (2006), der wiederum durch seine ihn vertretende Galerie in Frankfurt ebenfalls mit der Region eng verbunden ist und gleichzeitig einer der künstlerischen Repräsentanten der Schweiz auf der diesjährigen Biennale von Venedig ist: Yves Netzhammer.

Mit einer vier Meter langen freihängenden Höhle setzt Angela Glajcar im NKV die Serie der „Terforation“ folgerichtig fort. Im Vorjahr installierte sie eine 18 Meter lange Skulptur im Foyer der Naspa in luftiger Höhe, im selben Bogenformat (2,5 m x 1,28 m) wird dem Betrachter jetzt ein direkter Einblick und Zugang in die „Papierwolke“ ermöglicht, die Papierbögen schweben direkt über dem Boden und lassen Assoziationen an jahrhundertealte Gletscherformationen entstehen.

Kreisförmig in die Wand gesteckte Nadeln bilden den Ausgangspunkt der Installation „Haarreusen“ von Christiane Löhr. Zwischen zwei gegenüberliegenden Flächen des Raumes werden Röhren aus langem, verflochtenem Haar des Pferdeschweifs horizontal gespannt. Bleiben sie in ihrer fragil zarten Struktur zunächst kaum sichtbar, entwickeln sich die mittig konkav verjüngenden Röhren im gegenseitigen Zusammenspiel zu einer sich wandelnden dreidimensionalen Skulptur.

Erica von Moeller in Kooperation mit Axel Schweppe zeigt in ihrer Videoinstallation „wie aus glas“, wie sich in einer medialen Welt Realität und Fiktion immer mehr vermischen, während Wünsche und Sehnsüchte aus fiktionalen Zusammenhängen generiert werden. Die Installation geht dabei der Frage nach, was in unserem Handeln und Denken überhaupt noch authentisch und individuell ist. Monitore, vereinzelt platziert auf Möbeln im Raum, zeigen unterschiedliche, langsam verschwindende Personen, während sie den Betrachter anschauen.

Das Video „The Mad Masters“ von Sascha Pohle besteht aus verschiedenen Videosequenzen eines Celebrity Impersonator und Look-alike Kongresses in Las Vegas. Die Protagonisten des Videos sind professionelle, sowie angehende Celebrity Darsteller. In der Struktur des Videos wird eine dokumentarische Erzählmethode vermieden, vielmehr werden verführerische Bilder geschaffen, um Fragen zu individueller versus gesellschaftlicher Identität zu stellen. Scheinbar haben sich jene Gesichter aus der Medienwelt in das kollektive Gedächtnis so sehr eingeprägt, dass selbst die Wahrnehmung anderer Individuen global mit anderen Menschen geteilt wird.

Den Vorgang der Motivwahl an sich thematisiert die Malerei von Katja M. Schneider, deren Vorlagen sich in Tageszeitungen finden. Die Inhalte sind an sich bedeutungslos und werden in die malerische Gedankenwelt transferiert, dabei wird nicht nur ein stimmiger ästhetischen Ausdruck gesucht, sondern auch die kunsthistorische Auseinandersetzung mit den Bilderformen unserer westlichen Kultur, von Kunstmarkt und Malereigeschichte hinterfragt.

+ Yves Netzhammer inszeniert seine Präsentation auf einer Etage des Kunstvereins mit weitgehenden farbigen Eingriffen in den atmosphärischen Zusammenhang. Mit drei aufeinander Bezug nehmenden Videoinstallationen aus den Jahren 2003-2004 sowie einer für den NKV umgesetzten Wandzeichnung und ergänzenden, grafischen Arbeiten entsteht eine Topografie der Erzählung, in deren Spannungsfeld ein Ausloten von Bewegung, Gravitation und Körper einerseits, sowie von Sozialisation, Vokabular und Grammatik andererseits aufgebaut wird.


Der in allen europäischen Sprachen lesbare Titel der Ausstellung + Plus + spielt mit dem Symbol des Sitzungslandes der Stiftung, aber auch mit dem Plus, das ein solches Stipendium für die beteiligten Künstler und für die Gesellschaft bedeutet, an die erstere die Förderung durch ihr Werk weitergeben – plus nicht zuletzt dem Gedanken, dass die beiden Institutionen Museum Wiesbaden und Nassauischer Kunstverein gemeinsam junge bildende KünstlerInnen fördern.

Katalog: Zur Ausstellung + Plus + Künstlerinnen und Künstler aus Europa, gefördert von der Stiftung Vordemberge-Gildewart erscheint ein umfangreiche Katalog, in dem alle Beteiligten in Wort- und Bildbeiträgen vorgestellt werden. 15,- Euro.

Zur Museumseite: Nassauischer Kunstverein

Kategorien:
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