Ludwig Museum im Deutschherrenhaus
56068 Koblenz
Danziger Freiheit 1

BE-RÜHRUNGEN - Bettina van Haaren und Cony Theis

Laufzeit: 22. Juni 2008 bis 27. Juli 2008

Bettina von Haaren (geb. 1961) lehrt seit 2000 als Professorin an der Universität Dortmund im Fach Zeichnung und Druckgrafik. Bekannt ist sie vor allem durch ihre eigenwilligen Umsetzungen von Selbstreflexion und Selbstbetastung, die sich immer wieder mit der äußeren Textur von Haut als sinnlich erlebbarem Stoff befasst. Äußeres und Inneres werden nahezu in Trompe -l'œil-Manier ebenso vorgetragen wie zugleich im Bild negiert. Das Besondere an ihren Bildern ist die ungewöhnliche Verbindung von Malerei und graphischen Techniken, von Leinwand und Papier. Als „Realist“ im weitesten Sinne figuriert Bettina van Haaren narrative Geschehnisse, deren Inhalte komplex und vielschichtig sind.

Cony Theis (geb. 1958) studierte in Mainz und Düsseldorf und verdiente sich als Künstlerin lange Zeit nebenbei ihr Geld als Gerichtszeichnerin. Diese Tätigkeit integrierte sie unmittelbar in ihren künstlerischen Schaffensprozess: Ihre Arbeiten kreisen thematisch um Biografie im Allgemeinen, um ihre eigene momentane Existenz, um die Physiognomie von Gesichtern und auch um den eigenen Körper, um seine Haut. Cony Theis bemalt dabei auch Partien ihres Körpers mit kleinen Szenen, Figuren. Diese dem Tattoo ähnliche Malerei wird im Ergebnis in Fotografien festgehalten. Zahlreiche ihrer Werke sind eher kleinformatig. Sie leben zumeist aus einem interaktiven Wirken zwischen Zeichnung, Aquarellmalerei und dünnem Papier, das bewusst auf Transparenz oder auf wellig sich aufwerfende Oberflächen abhebt: Die spezielle Spannung im Transparentpapier und seine teilweise Nässung mit Wasser, bewirken die Faltungen und Knitterungen, die dazu führen, daß sich Kleider und Körper überhaupt erst formen, erst materialisieren und aus der Ferne geradezu dreidimensional erscheinen. Dies ist geradezu das Charakteristikum in ihrer Arbeit. Viele der Arbeiten gewinnen im Laufe der Entstehung einen installativen, raumgreifenden Charakter. Wiederum zahlreiche werden als Serie über einen längeren Zeitraum fortgesetzt. Tatsächlich sind darunter auch Arbeiten, die immer wieder auch den Menschen, den Porträtierten, den Betrachter mit einbeziehen. So wird es in der Ausstellung eine grundierte und nur ansatzweise von der Künstlerin selbst bemalte große Leinwand geben, bei der ein jeder Besucher eingeladen ist, dieses Bild mit einem Porträt seiner selbst zu vervollständigen. Es stehen entsprechend Farben, Pinsel, Stifte bereit; auch ein Spiegel fehlt nicht, um sein eigenes Antlitz zuvor noch einmal in Augenschein zu nehmen …



Beide Künstlerinnen werden mit einer Einzelpräsentation gewürdigt, wobei Verschränkungen in den Arbeits- und Ausdrucksweisen sowie (ungewollte, aber doch deutliche) Interferenzen erlebbar werden. Es entsteht für jede Künstlerin ein eigener Katalog.

Kategorien:
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