Museum Georg Schäfer
97420 Schweinfurt
Brückenstraße 20

Prachtvoll illuminirt - Das Handkolorit in der Druckgrafik (1493-1870)

Laufzeit: 13. Mai 2018 bis 15. August 2018

Diese Ausstellung bietet den Besuchern erstmals die einzigartige Möglichkeit, einen vergessenen Bereich der Kunst zu entdecken. ILLUMINATIONEN. Denn obwohl vor der Erfindung des Farbdrucks die Grafik vom späten Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert handkoloriert wurde, erfolgte in der Forschung keine Würdigung jener Technik als eigenständige Kunstform. Dazu trug unter anderem die lange bestehende Vorstellung bei, dass das Illuminieren entlang der grafischen Vorgabe der Stecher erfolgte und damit lediglich ein serielles „Ausmalen“ von Flächen gewesen sei. Dass dies jedoch nicht der Fall war, zeigt ein genauerer Blick auf die spannende Entwicklung des Handkolorits. Zunächst dienten frühe Illuminationen tatsächlich vorwiegend der Hervorhebung einzelner Buchstaben, der figürlichen und szenischen Illustration von Texten sowie der Gestaltung von Seitenrändern.

In der Forschung erfolgte bislang keine Würdigung dieser Technik als eigenständige Kunstform. Dazu trug unter anderem die lange bestehende Vorstellung bei, dass das Illuminieren entlang der graphischen Vorgabe der Stecher erfolgte und damit lediglich ein „Ausmalen“ von Flächen gewesen sei. Eine Verwechslung gab es auch mit dem seit dem 15. Jahrhundert angewandten Schablonenkolorit, das oft nachträglich mit dem Pinsel verfeinert wurde.
Dagegen überraschten bereits im 16. Jahrhundert entstandene Arbeiten mit teils recht flott aufgepinselten Aquarell- und Gouachefarben, welche ab und zu über die vom Stecher vorgegebene Kontur der Figuren hinausragen. Damit stellten sie eine erstaunliche Befreiung aus den Grenzen der zugrundeliegenden Graphik dar. Während der Dürer-Rezeption des Manierismus erfuhr das Handkolorit im sogenannten Fürstenkolorit einen ersten neuen Höhepunkt. Echtgold und Silber wurden dabei auf das Papier übertragen. Ende des 17. Jahrhunderts griffen die Koloristen zu dünnen Pinseln und Lupen, um beispielsweise für wissenschaftliche Werke im Bereich der Botanik zarte Blüten, kleine Knospen und Blätter in Farbe zu fassen.

Ihren gestalterischen Höhepunkt fand die Illuminierung schließlich im 18. und 19. Jahr-hundert. So warben Verlage in diesem Zeitraum damit, Spezialisten von weit her geholt zu haben. Für herausragende Werke mussten hohe Preise bezahlt werden. Längst wurde die Illuminierung unter ästhetischen Aspekten gewürdigt; „Farbe-Belustigung“ war wichtiger als Naturwahrheit. Die sogenannte Dekorative Graphik umfasste naturhistorische Motive ebenso wie Militaria, Modedarstellungen und Karikaturen.

Illuminieren war en vogue. Liebhaber und Dilettanten belegten nun Kurse, um selbst das Kolorieren zu erlernen. Für den Eintrag in Haus- und Freundschaftsalben des Biedermeier, doch vor allem für die Souveniralben der Reisenden kamen auch Einzelgraphiken zum Einkleben auf den Markt. Selbst die Jugendlichen sollten in Lehrbüchern durch kolorierte Bilder „ergötzt“ werden. Diese Freude am Kolorit ist auch dem Brief Goethes von 1782 anzumerken: Ein köstlich illuminirt Kupfer nach Raphael hab ich bey dem Herzog gesehn. Durch diese obgleich immer sehr unvollkommne Nachbildung sind mir wieder ganz neue Gedancken aufgeschlossen worden. Wenn du es nur sehen könntest.

Unser Vorhaben verfolgt das Ziel, anhand von über zweihundert für die Entwicklung des Handkolorits wichtigen Werken die weltweit erste Übersichtsschau zu diesem Thema zu bieten. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der Privatsammlung Frank, Stuttgart, und dem Museum Otto Schäfer, Schweinfurt; ergänzt wird sie durch kostbare Leihgaben der Staatsbibliothek Bamberg und den Kunstsammlungen der Veste Coburg.

Zur Museumseite: Museum Georg Schäfer

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