Nassauischer Kunstverein
65185 Wiesbaden
Wilhelmstraße 15

NKVextra Nadia Perlov / Lost PARDESS – Maybe Paradise

Laufzeit: 19. Januar 2018 bis 25. Februar 2018  

Nadia Perlov (*1990, Tel Aviv) thematisiert in ihrem Video die Bedeutung der Jaffa-Orange für die Geschichte der britischen Kolonie Palästina, in der Anfang des 20. Jahrhunderts arabische und jüdische Gemeinschaften als Nachbarn und Geschäftspartner zusammen lebten und arbeiteten.

Die Orange als Ausdruck der zerrissenen israelisch-palästinensischen Gesellschaft wird in Nadia Perlovs (*1990, Tel Aviv) Video Lost PARDESS - Maybe Paradise in neue Kontexte eingeführt und setzt sich damit auf abstrakte Weise mit der jüngeren Geschichte des israelisch-palästinensischen Gebiets auseinander. Durch den Einsatz von Versatztücken aus historischen Kulturproduktionen entsteht eine visuelle und musikalische Collage, die kulturelle Gegebenheiten hinterfragt, indem sie mit den ihnen zugrunde liegenden Konzepten experimentiert.

Die Orange ist Symbol für den israelischen Nationalstolz, steht jedoch gleichzeitig für Zerstörung, Schmerz und Leid, resultierend aus der israelisch-palästinensischen Geschichte. Die besonderen Eigenschaften der Zitrusfrucht werden durch die Künstlerin angepriesen, dabei wirkt sie wie die Protagonistin einer absurden Werbesendung. Nadia Perlov bedient sich an Zitaten aus israelischen Werbeslogans, Kinderbüchern, Popsongs und Theatershows, die sich mit dem Thema der israelischen Orangen beschäftigen.

Bereits der Titel Lost PARDESS- Maybe Paradise verweist auf die Ambivalenz der Symbolik der Orange. Pardess bedeutet im Persischen, Arabischen und Hebräischen Orangengarten – der verlorene Orangengarten des Titels birgt aber auch die gleichzeitige Möglichkeit eines Paradieses. Das Bild des „Goldenen Apfels“ Israels findet seinen Anfang zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der britischen Kolonie Palästina, in der arabische und jüdische Menschen als Nachbarn und Geschäftspartner zusammen lebten und arbeiteten. Beide Gemeinden kooperierten in den Orangenfeldern der Hafenstadt Jaffa, heute Tel-Aviv-Jaffa. Vermutlich war dies ein Ergebnis der britischen Vision, dass es unter ihrer Verwaltung ein gemeinschaftliches Leben geben würde. Die Vorstellung der Kolonialherren einer gesellschaftlichen Kooperation fand seinen symbolischen Ausdruck in der Frucht der Orange, die als Zeichen für Modernität und Qualität nach Europa gebracht werden sollte.

Nach der Proklamation des Staates Israel im Jahre 1948 wurde diese kollektive Erinnerung an Gemeinschaft und Gleichheit vergessen. Der neue israelische Staat übernahm die Orangenfelder, um die Produktion der Jaffa-Orangen neu zu definieren und als israelische Marke zu entwickeln.

Über die Künstlerin /
Nadia Perlov (*1990, Tel Aviv) studierte nach einer Ausbildung zur Tänzerin in Tel Aviv und Rotterdam bis 2015 an der Bezalel Academy for Arts and Design in Jerusalem und bis 2017 an der Städelschule Frankfurt am Main in der Klasse von Judith Hopf.

Kategorien:
Kunst | Zeitgenössische Kunst | 21. Jahrhundert |  Ausstellungen im Bundesland Hessen | Ort:  Wiesbaden |
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