KIT - Kunst im Tunnel
40213 Düsseldorf
Mannesmannufer 1b

Meeting the Universe Halfway

Laufzeit: 03. März 2018 bis 03. Juni 2018

Der Ausstellung „Dem Universum auf halbem Weg begegnen“ liegt ein Essay von Karen Barad (*1956) zu Grunde, in dem sich die theoretische Physikerin und feministische Theoretikerin den verschiedensten Themenfeldern der Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften widmet und einen Bericht über die Welt als Ganzes liefert. Karen Barads Rahmenkonzeption ist der agentielle Realismus, in dem es um die Untrennbarkeit von Sein und Wissen geht. Sie stellt damit die wissenschaftlich-disziplinäre Unterscheidung zwischen der Erkenntnistheorie (Epistemologie) und der Lehre vom Sein (Ontologie) in Frage. Barad entwickelt auf wissenschaftlicher Basis eine neue Sprache für die Idee eines Austausches zwischen Objekten unter posthumanistischen Gesichtspunkten. Es wird von der Annahme ausgegangen, dass nicht der Mensch das Maß aller Dinge ist, sondern eine Kommunikation auf Augenhöhe stattfindet.

Der Idee folgend, dass Objekte ein Eigenleben führen, kann man sie als Agenten bezeichnen, die durch Zeitebenen reisen. Während aus humanistischer Sicht der Mensch den Anfang und das Ende bestimmt, ergibt sich aus der Sicht der Objekte eine ganz andere Narration. Sie überdauern ein Menschenleben und werden von jeder Gegenwart neu definiert. Jede Gesellschaft eignet sie sich auf ihre Weise an. Aus der Sicht des Menschen kann es zu einer Verschmelzung kommen, aus der Sicht der Dinge nur zu einer vorübergehenden Okkupierung. Langfristig gesehen, lassen sich Dinge nicht dauerhaft beherrschen, da sie selber einem natürlichen Wandlungsprozess unterworfen sind. Sie sind Materie und „Materie ist kein ein für allemal bestimmtes Wesen; vielmehr ist sie Substanz in ihrem interaktiven Werden – kein Ding, sondern eine Tätigkeit, geronnenes Tätigsein.“ Doch ist der Mensch in der Lage, „geronnenes Tätigsein“ nachhaltig zu verändern. Er kann das Erscheinungsbild derartig manipulieren, dass die Objekte ihrer Identität beraubt werden und sich in neuen Realitäten zurechtfinden müssen. Für den Soziologen Siegfried Kracauer wurden beispielsweise Brücken in die Vergangenheit abgebrochen, als man 1932 Häusern auf dem Berliner Kurfürstendamm die Ornamente abschlug: „Jetzt stehen die beraubten Fassaden ohne Halt in der Zeit und sind das Sinnbild des geschichtslosen Wandels, der sich hinter ihnen vollzieht.“
Die Lehre vom Sein ist längst nicht mehr nur Inhalt wissenschaftlicher Forschung, sondern hat auf Grund ihrer Aktualität Einzug in die bildende Kunst gefunden. So setzt sich die Düsseldorfer Akademieprofessorin Yeşim Akdeniz (*1978) in ihren Arbeiten intensiv mit der Theorie der „Object Oriented Ontology“ auseinander. Die „OOO“-Lehre betont die Notwendigkeit, von der Idee der menschlichen Dominanz über das Objekt abzurücken. Sie spielt mit den Vorstellungen einer Kunst, die aus ökologischem Denken schöpft. Der Mensch wird hierbei als ein Objekt unter vielen in einer indifferenten Welt betrachtet. Die Bilder und Installationen von Yeşim Akdeniz basieren auf diesem Denkansatz.

Jen Liu (*1976) lehrt in New York und wird mit einer neuen Video-Installation und Papierarbeiten in der Ausstellung vertreten sein. Auch ihre Werke gründen auf forschungsbasierten Annahmen. Aus bestehenden sozioökonomischen und politischen Bedingungen erschafft die Künstlerin fiktive Charaktere und Erzählungen. Dieser Arbeitsansatz ist durch den Wunsch charakterisiert, kritisch auf den aktuellen Umgang mit bestehenden sozialen Problemen aufmerksam zu machen. In plakativen, übertriebenen Bildern visualisiert Liu ihre feministisch-sozialen Ansichten und findet so einen Weg, komplexe Sachverhalte ohne Vereinfachung für den Betrachter direkter und fühlbarer zu machen.

Mit Yeşim Akdeniz, François Dey, Jen Liu, Kubilay Mert Ural, Ceel Mogami de Haas, Christoph Westermeier, Müge Yilmaz.

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Kategorien:
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