Edith-Russ-Haus für Medienkunst
26121 Oldenburg
Katharinenstraße 23

Mit Viktor Brim, Tanja Engelberts, Rachel O’Reilly, Zina Saro-Wiwa und Zhou Tao

Laufzeit: 30. Januar 2020 bis 29. März 2020  

Das Edith-Russ-Haus für Medienkunst zeigt ab dem 30. Januar die internationale Gruppenausstel-lung „Possessed Landscapes“ (Besessene Landschaft oder Landschaft im Besitz). Sie beschäftigt sich mit künstlerischen Repräsentationen von Landschaft – allerdings nicht in ihrer kunsthistorischen Darstellung als Ort der Erholung oder als Platzhalterin für erhabene Schönheit. „Possessed Landscapes“ untersucht vielmehr die Beziehungen zwischen dem Menschen und dem Land unter Gesichtspunkten der Ausbeutung und Koloni-sierung. Gezeigt werden ortsspezifische Installationen, Videos und Videoessays von Viktor Brim, Tanja Engel-berts, Rachel O’Reilly, Zina Saro-Wiwa und Zhou Tao.

Der Ausstellungstitel „Possessed Landscapes“ – übersetzt mit „Landschaft im Besitz“, aber auch „Besessene Landschaft“ – verweist sowohl auf indigene Vorstellungen, nach denen das Land von Vorfahren bewohnt wird, als auch auf deren Verdrängung durch eine industrielle Inbesitznahme von Land. Die unbegrenzte Ausbeutung der Landschaft beginnt oft mit der Enteignung und Entrechtung der dort Lebenden und erzeugt in den Augen der beteiligten Künstlerinnen und Künstler neue Landschaften der Gier. Die verbleibenden Menschen wirken in diesen dystopischen Landschaften wie Fremdkörper. „Wir leben in Zeiten eines tiefgreifenden Wandels, der grundsätzlich in Frage stellt, wie wir Natur ‚konsumieren‘. Dabei ist eine besondere Schwierigkeit, dass man die größten Veränderungen auf unserem Planeten zwar wissenschaftlich nachweisen, aber meist nicht unmittelbar sehen kann“, sagen die Leiter des Edith-Russ-Hauses, Edit Molnár und Marcel Schwierin, die die Ausstellung auch kuratiert haben. „Die künstlerischen Positionen in dieser Ausstellung beschäftigen sich aber gerade mit Großprojekten, die die Erde im wahrsten Sinne des Wortes umgraben, wie zum Beispiel im Bergbau. So werden sie zu metaphorischen Bildern unseres Zeitalters.“


Die Ausstellung befasst sich auch mit einer propagandistischen Bildsprache, die industrielle Ausbeutung als „Abenteuergeschichte“ darstellt, etwa in den Kampagnen der Fracking-Industrie und der Diamantenminen, die Russlands kolonialistischen Zielen dienen. „Possessed Landscapes“ stellt solchen Bildwelten künstlerische Arbeiten gegenüber, die die Verhältnisse sichtbar machen, aus denen diese sozialen und ökologischen Land-schaften hervorgegangen sind. Viele der ausgestellten Projekte umfassen auch von Drohnen aufgenommene Bilder – eine relativ neue Form filmischer Aufnahmen. Dabei geht es weniger um spektakuläre Luftaufnahmen, sondern um Drohnen als preiswerte und leicht verfügbare Instrumente für zivile forensische Recherchen, mit denen die Künstlerinnen und Künstler die Praktiken der Industrie und den Zustand verschiedener Ökosysteme untersuchen können.


Die Arbeiten in „Possessed Landscapes“ behandeln auf vielfältige Weise den ausgeprägten Gegensatz zwi-schen industriell-modernen und überlieferten indigenen Vorstellungen. „In unserer Gesellschaft wird Land als ‚Billige Natur‘ gesehen, die man ohne Gegenleistung ausbeuten kann. Viele indigene Gruppen lehnen diese parasitäre Beziehung ab − für sie ist das Land nicht Eigentum des Menschen, es ist vielmehr umgekehrt das Land, welches die Menschen besitzt“, sagen Molnár und Schwierin über den Kern der Ausstellung.

Kategorien:
Kunst | Zeitgenössische Kunst | 21. Jahrhundert |  Ausstellungen im Bundesland Niedersachsen | Ort:  Oldenburg |
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