Abbildung: Schale mit Lotosblüte (Ansicht Unterseite), China, Yongzheng-Ära (1723–35), Porzellan mit Aufglasurfarben der famille rose © MK&G, Foto: Jörg Arend

Made in China! Porzellan

Laufzeit: 02. Oktober 2020 bis 20. März 2022  

Made in China – dieses Label ist in der heutigen Warenwelt allgegenwärtig. China hat bereits vor Jahren Deutschland als Exportweltmeister und die USA als größte Handelsnation abgelöst. Der seit Jahrtausenden unübertroffene Exportschlager aus China ist aber kein T-Shirt, Smartphone oder Computer, sondern Porzellan. Das sogenannte weiße Gold hat eine über 3000-jährige Geschichte. In Europa gelang die Entwicklung einer Porzellan-Rezeptur erst Anfang des 18. Jahrhunderts, mit weitreichenden Folgen für den globalen Porzellanhandel. Blauweißporzellane der Ming-Dynastie (1368–1644) oder farbenfrohe Porzellane der famille rose und famille verte aus dem 17. Jahrhundert erfreuten sich besonderer Beliebtheit an europäischen Höfen. Was macht Porzellan so besonders, dass Fürsten, Kaiser, Könige seit Jahrtausenden dafür schwärmen und Milliardär*innen heute Rekordsummen für Spitzenstücke zahlen?

Die Ausstellung Made in China! Porzellan versammelt die beliebtesten Typen wie monochrome Porzellane, Blauweißporzellane und Porzellan mit Aufglasurdekoren. Im Zentrum steht die Porzellanproduktion der kaiserlichen Werkstätten. Diese brachten unter Kaiser Kangxi (r. 1662–1722) eine bis dahin unerreichte Vielfalt in Technik, Form und Farbe hervor. Verfeinerung und Veredelung waren das Augenmerk seines Sohnes, Kaiser Yongzheng (r. 1723–1735), unter dem die Malerei auf Porzellan perfektioniert wurde. Kaiser Qianlong (r. 1736–1795) ist für Rückbezüge auf vergangene Dynastien und exzentrische Neuschöpfungen bekannt. Im starken Kontrast dazu stehen die schlichten, technisch höchst aufwendigen monochromen Porzellane. In tiefem Blau, strahlendem Gelb, samtigem Rot und kühlem Weiß dienten sie ursprünglich der Anbetung der verschiedenen Himmelsgötter im rituellen Kontext am chinesischen Hof.

Nicht nur in China, auch im Rest der Welt faszinierte das Luxusgut Porzellan seit seiner Entdeckung. In Europa war man lange auf den Import angewiesen, erst 1708 gelang die Entwicklung einer Porzellan-Rezeptur in Meißen. Bis heute ist unser Bild durch die blauweiße Mingvase als Inbegriff chinesischen Porzellans geprägt. Der florierende Handel mit den blauweißen Porzellanen löste eine bisweilen krankhafte Sucht aus: die Maladie de Porcelaine. Anhand von Exponaten mit verschiedenen Fertigungsweisen und Dekoren macht die Schau deutlich, wie die chinesischen Manufakturen die hohe Nachfrage nach Porzellanen mit Rückgriffen auf europäische, persische oder südostasiatische Vorlagen und Motive beantworteten. Die Migration von Motiven und Objekten zwischen China und Europa reflektieren als Intervention auch zwei Hinterglasmalereien und die Fotomontage des Berliner Künstlers Thilo Westermann (*1980), die eigens für die Ausstellung entstanden.

Eine Vielzahl der gezeigten Stücke stammt aus der Sammlung der Familie Reemtsma sowie der Sammlung des Ehepaares Ingeborg und Harold Hartog. Die beiden Schenkungen aus den Jahren 1996 und 2008 stellen einen unschätzbaren Zuwachs für das MK&G dar. Anhand von Fotografien und historischen Dokumenten werden Philipp F. Reemtsma (1893–1959) und Harold A. Hartog (1910–2007) als zwei in Hamburg verortete Sammler und Förderer des MK&G mit ihren jeweiligen Vorlieben und Zugriffen auf chinesisches Porzellan vorgestellt.

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