Marke und Mäzen - Ausstellung zum 75.Jubiläum des Paula Modersohn-Becker Museums

Laufzeit: 02. Juni 2002 bis 01. September 2002

Als einer der frühesten Liebhaber der Kunst Paula Modersohn-Beckers beschloss Ludwig Roselius, für seine
sich stetig vergrößernde Sammlung an Werken der Künstlerin einen festen Ort in Bremen einzurichten. Für den
Kaffee-Unternehmer war es mehr als naheliegend, hierfür die Böttcherstraße zu wählen. Dieser um 1900 vom
Verfall bedrohten, ehemaligen Fassmachergasse hatte sich der Bremer Großkaufmann angenommen und fand
hier eine ideale Möglichkeit, seine Vorstellungen von Kultur zu realisieren und eine Verbindung zwischen
Kunst, Kunstgewerbe und seiner Firma Kaffee HAG herzustellen.

Zum Architekten des Hauses Nr.10 wählte Roselius den Künstler Bernhard Hoetger, der zu den wenigen
Förderern Paula Modersohn-Beckers zu ihren Lebzeiten zählte. Zur Einweihung des Hauses merkte der
Auftraggeber an: "Hoetger hat mehr als den zweckmäßigen Bau - er hat ein Kunstwerk geschaffen, das für
Paulas Kunst den rechten Rahmen gibt". Im Dachgeschoss des Gebäudes, das heute zu den wichtigsten
Architekturbeispielen des Expressionismus gehört, hatte Roselius als "krönenden Abschluss" seine Sammlung
an Werken der verehrten Malerin eingerichtet und das Haus unter Voranstellung ihres Mädchennamens
benannt. Der "Paula-Becker-Modersohn-Saal" ist nicht nur der Nukleus des ersten Künstlermuseums der
Moderne in Deutschland, sondern des ersten Museum weltweit, das dem Werk einer Künstlerin gewidmet ist.
Dieser Saal, den der Kunsthistoriker Walter Müller-Wulckow als "unvergessliches Erlebnis, bei dem die
Werke der Künstlerin mit dem von Hoetger gestalteten Raum verschmelzen", beschreibt, wird zur Ausstellung
"Marke und Mäzen" erstmals rekonstruiert. Das Raum füllende Hauptexponat, das "Museum im Museum",
beherbergt die Paula Modersohn-Becker-Sammlung von 1927; von hier aus führt der Weg direkt zur Marke
Kaffee HAG und ihrer künstlerischer Gestaltung.
1906 hatte Ludwig Roselius das Prinzip der Entkoffeinierung erfunden. Ebenso innovativ wie das Produkt war
die Vermarktung der Marke Kaffee Hag. Als einer der ersten Unternehmer in Deutschland hatte Roselius die
Bedeutung der Reklame erkannt und sie auf vielfältige Weise zu nutzen gewusst.
Die Gebrauchsgrafiker Scotland & Runge, die neben Hoetger zu den Architekten der Böttcherstraße gehören,
wurden von Roselius als künstlerische Beiräte in die HAG-Werbeabteilung berufen. Sie entwarfen das
Markenzeichen - den Rettungsring, der als markanter Blickfang zum Ausgangspunkt aller Reklamemaßnahmen
wurde. Die wichtigsten Vertreter der zu der Zeit in Deutschland noch jungen Plakatkunst, wie etwa Lucian
Bernhard, Ludwig Hohlwein und die Berliner Plakatkünstler Louis Oppenheim, Hans Lindenstaedt und
Lehmann-Steglitz, konnten für die Zusammenarbeit mit Kaffee HAG gewonnen werden.
In der Ausstellung werden die Höhepunkte der HAG Plakatkunst aus drei Jahrzehnten präsentiert sowie die
unverwechselbaren Verpackungen, Schmuckdosen und das HAG-Geschirr.
Weiterhin wird die von Roselius herausgegebene Internationale Zeitschrift "Die Böttcherstraße",
Originalfotografien der Böttcherstraße von 1927, Kunstgewerbe von Bernhard Hoetger und frühe
Werbeaufnahmen, u.a. von August Sander und Albert Renger-Patzsch von Kaffee HAG in der Ausstellung
"Marke und Mäzen" zu sehen sein.
Und nicht zuletzt wird Roselius' Wunderkammer, das Museum im Roselius-Haus, das Bild des
Gesamtkunstwerkes Böttcherstraße vervollständigen. Ideengeschichtliche Zusammenhänge und Hintergründe
werden in dem umfangreichen Begleitbuch zur Ausstellung dargestellt.

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