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29.10.2018

Wissenschaftler des Naturkundemuseums Karlsruhe entdecken zwei unbekannte Pilzarten in Karlsruher Parks
Veröffentlicht von: Naturkundemuseum Karlsruhe
Internetseite: www.naturkundemuseum-karlsruhe.de
Ein Forschungsteam um den Mykologen Markus Scholler vom Naturkundemuseum Karlsruhe hat in Karlsruher Parkanlagen neben zahlreichen raren Pilzarten auch zwei bislang unbekannte Arten entdeckt. In diesem Zusammengang betonen die Wissenschaftler die große Bedeutung alter heimischer Baumarten für den Pilzartenschutz.



Viele Großpilze, die mit alten Bäumen eine Lebensgemeinschaft zum beiderseitigen Vorteil (Ektomykorrhiza-Symbiose) eingehen, sind selten geworden oder sogar vom Aussterben bedroht. Dies liegt vor allem daran, dass häufig bestimmte exotische Bäume wie Platanen, Rosskastanien, Robinien und Zürgelbäume gepflanzt werden, die keine Symbiosen mit den heimischen Pilzen eingehen. Ein weiterer Grund ist, dass für Symbiosen geeignete heimische Bäume nicht alt werden dürfen und für forstwirtschaftliche Zwecke gefällt werden. Auch schaden den Pilzen die Nährstoffeinträge durch Düngung und Luftstickstoffeinträge. Insofern sind für viele in Symbiose lebende Pilze städtische Grünanlagen, wo heimische Bäume alt werden dürfen und durch Mähen und Laubentfernung der Nährstoffgehalt zwangsläufig etwas geringer gehalten wird, mitunter letzte Refugien.



Im Rahmen zweier vom Naturschutzfonds Baden-Württemberg und dem Programm „Klimawandel und modellhafte Anpassung in Baden-Württemberg (KLIMOPASS)“ finanzierter Forschungsprojekte konnte nun der Mykologe Markus Scholler vom Naturkundemuseum Karlsruhe zusammen mit den Mitarbeitenden Anja Schneider und Torsten Bernauer zahlreiche sehr seltene Arten nachweisen. Darunter sind zwei für die Wissenschaft noch unbekannte Arten, über die die Karlsruher Wissenschaftler zusammen mit Kollegen aus dem In- und Ausland in internationalen Fachzeitschriften berichten. Es handelt sich dabei um eine (wohlgemerkt für Speisezwecke nicht geeignete!) Trüffelart mit dem wissenschaftlichen Namen Genabea urbana, die mit Hilfe von Trüffelhunden an einer sehr alten Hainbuche nahe dem Bahnhof entdeckt wurde. Die zweite neue Art ist ein Risspilz, Inocybe strickeriana, der zwischen zwei alten Eichen im Zoologischen Garten wuchs. Die letztgenannte Art wurde zu Ehren des Karlsruher Lehrers und Pilzkundlers Paul Stricker benannt.



Die Wissenschaftler betonen, dass es in Karlsruhe noch zahlreiche wertvolle Parkanlagen mit altem Baumbestand gibt, wo man seltene Pilze finden kann. Allerdings sind einige vor allem durch Bauvorhaben, aber auch durch Pflanzung ungeeigneter meist exotischer Baumarten sowie durch Hundekot und übermäßigen Streusalzeinsatz gefährdet, so in besonderer Weise die alten Eichen und ihre Symbiosepilze in der Erzbergerstraße in der Karlsruher Nordstadt. Diese Straße gehörte auch zu den von Paul Stricker untersuchten Pilzhabitaten und er notierte bereits in den 1930er Jahren (damals hieß die Erzbergerstraße noch Hindenburgstraße) das Vorkommen seltener Pilzarten in seinem Tagebuch. Dies kann man auch in einem Gutachten nachlesen, das das Naturkundemuseum im Auftrag des Gartenbauamtes anfertigte.

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