BILDPODIUM IX im Renaissance-Saal - Katrin Gaßmann: Denken zeichnen

Laufzeit: 24. März 2005 bis 01. Mai 2005

Der Florentinischen Renaissance und Giorgio Vasari ist es zu danken, wenn wir heute in Zeichnungen eigenständige künstlerische Ausdrucksweisen sehen. Letzterer postulierte in seinen berühmten Künstlerviten gar den zeichnerischen Entwurf als Fundament aller Künste, da dieser als geformte Vorstellung dem jeweiligen geistigen Konzept der Künstler am nächsten sei. Mit der Aufwertung des künstlerischen Entwurfs gegenüber handwerklicher Virtuosität öffnete Vasari das Tor zu einer Entwicklung, die im 20. Jahrhundert bis in die verschiedenen Formen der Concept Art führt.

Hier knüpft die in Erfurt arbeitende Katrin Gaßmann (*1967) an, wenn sie eines ihrer Projekte (ab 2002) „Denken zeichnen" nennt – auch wenn ihre Art zu zeichnen alles andere als klassisch ist. Denn sie zeichnet durch Fortschreiben von Gedanken, im wörtlichen Sinne. Das Paradox schreibender bildender Künstler ist uns seit Joseph Kossuth, Joseph Beuys, Jenny Holzer, Law-rence Weiner oder Bethan Huws durchaus vertraut; doch verleiht ihm Katrin Gaßmann einen besonderen Akzent, denn sie bringt, wie sie selbst formuliert, „das eigene Denken zum Zeitpunkt des Denkvorgangs unter Vermeidung von Korrekturmaßnahmen" zu Papier, dafür mit allen Wendungen, Sprüngen, Abschweifungen und Alternativen. Moderne Autoren wie Proust, Woolf und vor allem James Joyce entwickelten die Bewusstseinsstrom-Technik (Stream of Consciousness) als Verfahren, inneres Erleben sprachlich darzustellen. Katrin Gaßmann adaptiert diese Technik in die Fläche der Zeichnung und formuliert als Gattungszugehörigkeitsvermutung: „Konzeptkunst, Zeichnung, Selbstportrait (von innen)". Die Ausstellung bietet nun erstmals die Gelegenheit, sich en bloc in die gezeichneten Gedankengänge der brillanten Analytikerin, Ironikerin und Realistin zu vertiefen.

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Kunst | Zeitgenössische Kunst |  Ausstellungen im Bundesland Thüringen | Ort:  Erfurt |
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