Sprengel Museum Hannover
30169 Hannover
Kurt-Schwitters-Platz

Harun Farocki: Nicht ohne Risiko (Video DigiBeta, Farbe, 52’11)

Laufzeit: 29. März 2009 bis 02. August 2009

Harun Farocki, geboren 1944, hat sich seit seinem Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin in den 1960er Jahren dem politischen Spielfilm verschrieben. Sein Oeuvre umfasst über 100 Arbeiten (Spiel- und Essayfilme, Dokumentarfilme, Video- und Filminstallationen). Farockis Arbeiten gewinnen ihre analytische Präzision aus einem nahezu erstaunlichen Vertrauen in die visuell-akustischen Befunde. ‚Tatbestände’ und ‚Sachverhalte’ werden als Material begriffen. Der filmische Blick legt – frei von jeder Polemik – Strukturen, Interessen und Wirkungsweisen frei.

In „Nicht ohne Risiko“ beschäftigt sich Harun Farocki mit Venture Capital, Risikokapital, bei dem es gewöhnlich um hohes Risiko, hohen Einsatz und große Profitmöglichkeiten geht. Ein Kapitalgeber investiert in ein kapitalschwaches Unternehmen, erwirbt eine Mindestbeteiligung und hofft dabei auf eine hohe Rendite bei einem späteren Verkauf der Firma. Farocki zeigt zwei Verhandlungsrunden. Es geht um 750.000 Euro. Die Firma NCTE, Herstellerin eines offenbar sehr innovativen Drehmoment-Sensors, bestreitet vehement, ein „Risikofall“ zu sein; gleichwohl fordert ihr Gegenüber, der Verhandler des Kapitalgebers Buchanan Industrial Technologies GmbH, das Einhalten der Spielregeln. „Nach bestem Wissen und Gewissen“ mögen die „Businesspläne und die Milestones“ angegeben werden, denn man sei zwar kein „angenehmer“, dafür ein „berechenbarer Partner“. Risiko und Berechenbarkeit sind ein Gegensatzpaar, das Farockis Film auf ebenso schlichte wie unpolemische Art und Weise untersucht.



In den Sitzungspausen werden Szenarien durchgespielt, die dann nach der Pause viel zahmer debattiert werden; man beteuert den Innovationsgrad des eigenen Unternehmens und im selben Atemzug die Wertsicherheit der Anlage. Der langwierige Prozess, in dem beide Seiten sich schließlich auf ein gemeinsames Venture einigen, wird vom Filmemacher unkommentiert gezeigt. Die kleinen, humorvollen Abschweifungen, die Farocki sich (und uns) gönnt wie jene, dass auch Risikokapitalisten im Restaurant lieber vorher einen Tisch reservieren, sind da wohl, in der Sprache der Unternehmen, ‚the icing on the cake’.



„Nicht ohne Risiko“ bietet eine ungewohnte Innenansicht vom heutigen Wirtschaftsleben. Die Verhandlungen illustrieren, dass Kapitalismus heißt, vertrauen zu müssen. Wenn es gut geht, gibt es eine ‚Win-Win-Situation’ für beide Parteien. Geht es schlecht, gilt leider der Vertrag. Der Film zeigt Wirtschaft als das Leben selbst. Harun Farocki, bereits ein Klassiker des politischen Dokumentarfilms in Deutschland, bedient sich der Methoden des „direct cinema“ und konzentriert sich auf die unkommentierte Beobachtung seiner Akteure mit der Kamera. (Jutta Krug)

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