Avtandil Berdnishvili
Georgische Schrift in der Malerei

Laufzeit: 27. Februar 2011 bis 10. April 2011

Die Schriftzeichen des Georgischen sind in vielerlei Hinsicht rätselhaft. Bis heute ist ihr Ursprung nicht geklärt, zudem muten sie auch in gedruckter Form äußerst kalligraphisch an.
Diese Zeichen legt der Städelschüler Avtandil Berdnishvili einer Serie seiner Gemälde und Zeichnungen zugrunde.Avtandil Berdnishvilis Arbeiten sind nicht weder gegenständlich noch ungegenständlich. Konkrete Vorstellungen, Erinnerungen an seine georgische Heimat, an Situationen aus seiner Kindheit finden in verrätselter Weise Eingang. Neben Kreuzen, Kreisen und an Schriftzeichen erinnernden Symbolen finden sich geometrische Formen. Als Bildträger kommen häufig gebrauchte Materialien zum Einsatz, so alte Kalenderblätter, Klebeband oder Tapetenreste.

Durch sie wird das gegenwärtig Entstehende in einen Zeitraum eingebunden, der die nähere Vergangenheit ebenso in Erinnerung ruft, wie die zurückliegende Ereignisse von Einzelpersonen, Gemeinschaften oder sogar der ganzen Menschheit. Die Bezüge bleiben vage, aber gerade damit eröffnen sich weite Assoziationsfelder.Die geschieht auch bei den jüngeren Arbeiten, die eindeutig von Buchstaben der georgischen Schrift dominiert sind. Die auffälligen Rundungen und Bögen, die dieser Schrift einen nahezu kalligraphischen Duktus verleihen, füllen die Bildfläche, formieren sich zu dichten und weniger dichten Strukturen, geben vor, einen Text zu bilden und bleiben doch unlesbar. Das liegt nicht nur an einer mangelnden Kenntnis der georgischen Schrift, sondern vielmehr an der Arbeitsweise des Künstlers. Häufig beschreibt er die Rückseiten seiner Blätter und wenn er als Grundlage eine eingefärbte Glasplatte nutzt, zeichnen sich die Schreibspuren auf der Vorderseite ab, allerdings in Spiegelschrift. Die so entstandene Monotypie bildet aber erst den Ausgangspunkt. In einem nächsten Schritt überzeichnet oder malt er die Spuren, ergänzt und verwischt. Damit entspricht er ganz dem gedanklich-kreativen Prozess, der jeder seiner Arbeiten vorangeht. Beim Schreiben folgt der Künstler seinen Gedanken, zeichnet Überlegungen auf und bringt spontan Assoziiertes ein. Zwar fixiert er auf diese Weise seine Gedanken, verfolgt aber nicht die Absicht, sich darüber unmittelbar mitzuteilen, weshalb die im Werk konsequenter Weise nur gespiegelt zu sehen sind. Und wie das Spiel der Gedanken einem ständigen Wandel, Veränderungen und Revidierung unterliegt, wird auch die Arbeit weiteren Veränderungen unterzogen. Sie wird damit gleichsam zum Abbild einer fortwährender, niemals an einen Endpunkt gelangenden Gedankenbewegung.

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