Märchenhaft: Rotkäppchen und andere Ungeheuerlichkeiten

Laufzeit: 24. Februar 2012 bis 08. April 2012

Vor 200 Jahren veröffentlichten die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm ihre Sammlung deutscher "Kinder- und Hausmärchen". In alle Kultursprachen übersetzt, prägen sie bis heute das romantische Bild Deutschlands in der Welt. Klassiker sind sie in den Kinderzimmern, jedes Jahr erscheinen zahlreiche neu illustrierte Ausgaben. Jedoch nicht nur Kinderbücher, sondern auch illustrierte Bücher für den erwachsenen Buchliebhaber oder Künstlerbücher haben Grimm’sche Märchen zum Thema. Im Fokus der Ausstellung steht das Märchen vom Rotkäppchen.

Der französische Schriftsteller Charles Perrault gab 1697 eine Märchensammlung heraus, die für Erwachsene, vornehmlich für die jungen Damen des Adels, bestimmt war. Hier findet sich der Stoff des Rotkäppchens. Die Brüder Grimm nahmen das Rotkäppchen und weitere Perraultmärchen, darunter auch Dornröschen und Aschenputtel, in abgewandelter Form in ihre Märchensammlung auf. Das Rotkäppchen avancierte zu einem der populärsten Märchen, das in ganz Europa (und darüber hinaus) bekannt ist. Der Wolf taucht in zahlreichen Märchen auf, er gilt nicht nur als gierig und heimtückisch, sondern verkörpert die Bestie schlechthin und ruft eine Urangst vor dem Wilden, Ungezähmten hervor. In der Rotkäppchenerzählung ist er auch zugleich Sinnbild der Gefahr, die jungen Mädchen durch das männliche Geschlecht droht.
Die Ausstellung zeigt nicht nur die Entwicklung der Buchillustration der letzten hundert Jahre auf, sondern auch die Adaption und Auslotung der Märchen im zeitgenössischen Künstlerbuch. Das Klingspor-Museum zeigt klassische Ausgaben, so zum Beispiel eine illustrierte Ausgabe von Fritz Kredel, die das Rotkäppchen im deutlichen Bezug zu der hessischen Heimat des Künstlers als ein Mädchen in Schwälmer Tracht zeigt.
Zu sehen sind auch zahlreiche freie Bearbeitungen von Künstlern wie Warja Honegger-Lavater, die das Märchen ohne Worte in einem von ihr entwickelten raffinierten System von farbigen Zeichen erzählt, ein von Burgi Kühnemann frech verfremdetes Rotkäppchen oder ein Unikatbuch von Barbara Fahrner, das dem handgeschriebenen Text mit Illustrationen der Kleidungsstücke des Mädchens und der verschlungenen Wegmuster der Protagonisten eine weitere Bedeutungsebene verleiht.
Kein anderes Märchen erfuhr so viele Parodien, eine Kostprobe davon gibt der Druck der Burgart-Presse "Rotkäppchen durch den Wolf gedreht", der die unterschiedlichsten Varianten versammelt, illustriert von Künstlern wie Helge Leiberg oder Ottfried Zielke.
Natürlich kommen auch die Ausgaben für Kinder nicht zu kurz. Nicht alle halten sich an die Grimm’sche Vorlage, in einigen Kinderbüchern hat sich das Rotkäppchen längst emanzipiert und ist nicht mehr das hilflose Wesen, das auf die Hilfe des Jägers angewiesen ist. Schlagkräftig nimmt es sein Schicksal in die Hand und der Wolf muss hier auf Hilfe hoffen.
Weitere beliebte Märchen wie "Rapunzel" oder "Der gestiefelte Kater" ergänzen die Ausstellung, gezeigt werden unter anderem Arbeiten von Max Slevogt, Otto Ubbelohde, Werner Klemke und Josef Hegenbarth.

Kategorien:
Kunst | Literaturgeschichte | 19. Jahrhundert |  Ausstellungen im Bundesland Hessen | Ort:  Offenbach am Main |
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