Zum Wohl! Getränke zwischen Kultur und Konsum

Laufzeit: 15. April 2012 bis 30. September 2012

Nur die Luft zum Atmen ist wichtiger. Ohne Nahrung kann man ein paar Wochen überleben, ohne Flüssigkeit nicht mehr als ein paar Tage. Trinken ist jedoch nicht nur lebenswichtig, sondern auch ein Spiegel der Gesellschaft. Das zeigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in seiner neuen Ausstellung "Zum Wohl! Getränke zwischen Kultur und Konsum", die er am Sonntag, 15. April, in seinem Ziegeleimuseum Lage (Kreis Lippe) eröffnet.

"Das Trinken ist für uns so alltäglich, dass wir kaum darüber nachdenken. Aber unsere Trinkgewohnheiten kommen nicht von ungefähr, sondern haben eine Geschichte und spiegeln gesellschaftliche Entwicklungen. Wenn wir uns damit beschäftigen, eröffnet das ganz neue Blicke auf die Getränke, die wir täglich zu uns nehmen", sagte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale heute (12.4.) bei der Vorstellung der Ausstellung in Lage.

Mit zahlreichen Exponaten, Fotos und Dokumenten zeichnet die Schau eine "Landkarte" der Trinkkultur und Kultgetränke in Westfalen-Lippe. Wasser, Schnaps, Bier, Limonade, Milch, Tee und Kaffee - das sind die Getränke, die in den letzten 150 Jahren Westfalen-Lippe prägten. Die Ausstellung beleuchtet soziale Zuschreibungen und Konjunkturen, denen der Konsum der verschiedenen Getränke unterlag und fragt nach den Hintergründen. Passend zum Ausstellungsort geht sie außerdem auf die Prozesse der industriellen Produktion ein.

Flüssiges Kulturgut
Erst seit rund 10.000 Jahren gibt es neben Wasser auch andere Getränke. Sie kommen nicht in natürlicher Form vor, sondern müssen eigens hergestellt werden. Die Industrialisierung beeinflusst das flüssige Kulturgut in doppelter Hinsicht: Sie verändert die Produktion der verschiedenen Ge-tränke sowie deren Rolle in der Gesellschaft. Welche Rolle spielten und spielen Getränke in unserem Alltag? Wie haben sich die Trinkgewohnheiten in den letzten Jahrhunderten verändert? Welche Getränke haben Zuwanderer mit nach Deutschland gebracht? Gibt es typische regionale Trinkgewohnheiten? Auf diese Fragen gibt die als Wanderausstellung konzipierte Schau Antworten.

Made in Ostwestfalen-Lippe
Zwei Getränke sind dabei besonders in Ostwestfalen-Lippe verankert: Schnaps und Limonade. "In der weithin landwirtschaftlich geprägten Region bildete sich seit dem 19. Jahrhundert eine vielfältige Nahrungs- und Genussmittelwirtschaft aus, zu deren Charakteristika auch eine vielfältige Getränkeindustrie gehörte", erläutert LWL-Museumsleiter Willi Kulke. So existierten in der Region um Gütersloh, Halle und Steinhagen traditionell viele Brennereien, die aus Roggen und dem Wacholder der nahegelegenen Sennelandschaft Branntwein herstellten. Steinhagen war bis in die 1970er Jahre ein Zentrum der westfälischen Brenntradition. Seit dem 19. Jahrhundert ist der Ortsname untrennbar mit dem Steinhäger-Wacholderbranntwein verbunden. Auf dem Höhepunkt des deutschen Schnapsdurstes in den 1960er Jahren produzierten 15 größere und kleinere Brennereien in Steinhagen.

Weltweit bekannt geworden ist auch ein alkoholfreies Erfrischungsgetränk, dessen fruchtige Grundsubstanz jahrzehntelang in Detmold hergestellt wurde. Der Lagenser Geschäftsmann Franz Hartmann verkaufte es ab 1902 unter dem Namen des Naturheilkundlers Friedrich Eduard Bilz als "Bilz-Brause". Seit 1907 trägt es den geschützten Namen "Sinalco" (Abkürzung für "sine alcohol", ohne Alkohol). 1937 kam das werbewirksame Emblem hinzu: der rote Punkt mit dem schräg stehenden Schriftzug.

Zum Wohl!
Der Rundgang durch die Ausstellung beginnt an der "Bude". Sie ist die zentrale Anlaufstelle und entsprechend ihrer Herkunft als Selterwasserhäuschen Schauplatz für das Thema Mineralwasser.

Die Bude wird von sechs runden Ausstellungsstationen zu den Getränken Schnaps, Bier, Limonade, Milch, Kaffee und Tee flankiert. Im Mittelpunkt steht jeweils ein Großexponat, das die Produktion der Getränke illustriert - von der Abfüllanlage bis zur Teebeutelpackmaschine. Umrahmt werden sie von den unterschiedlichsten Objekten zur Kultur- und Konsumgeschichte. "FühlBars" mit Rohstoffen der Getränkeherstellung ermöglichen den Ausstellungsgästen einen direkten, sinnlichen Zugang. Medienstationen, die Werbefilme und Interviews zeigen, regen darüber hinaus zur Reflexion über den Status der thematisierten Getränke in der Gesellschaft an.

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