Sammelnswert:Insel-Bücherei und Sammlung Vermes

Laufzeit: 07. Oktober 2012 bis 18. November 2012

Als die Erfolgsgeschichte der Insel-Bücherei begann, war der Inselverlag noch ein junger Verlag, hervorgegangen aus der Zeitschrift „Die Insel“ im Jahr 1899. Mit Rainer Maria Rilkes „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ kam 1912 die erste Nummer der Insel-Bücherei heraus. Mit einer Auflage von über 1 Million Exemplare, ist es zugleich einer ihrer erfolgreichsten Titel. Das Programm der Reihe war von Anfang an äußerst weitgefächert, von zeitgenössischer Literatur wie Rilke, Emile Verhaeren, Hugo von Hofmannsthal oder Ricarda Huch über Klassiker wie Cervantes, Boccacio oder Goethe, Literatur des Mittelalters und der Antike. Internationale Autoren, wie Balzac, Gogol, Tolstoi Björnstjerne Björnson, Oscar Wilde, Charles Dickens finden sich hier ebenso wie Vaterländisches. Die Bände zum Preis von 50 Pfennig waren in Pappe gebunden, sorgfältig typographisch gestaltet und auf gutes Papier gedruckt. Charakteristisch waren die verschieden gemusterten Überzugspapiere.

Das Zusammenspiel von anspruchsvollem Inhalt und ansprechender Gestaltung zum erschwinglichen Preis machte die Bände der Insel-Bücherei bald zum beliebten Sammelobjekt, dessen Faszination seit hundert Jahren ungebrochen ist. Bereits 1912 erschienen auch mit Illustrationen versehene Bände. 1917 erschien mit Holbeins Bilder des Todes der erste Kunstband. Großer Beliebtheit erfreuten sich farbig illustrierte naturkundliche volkstümliche Bestimmungsbücher, hier ist zum Beispiel „Das kleine Blumenbuch“ von Rudolf Koch zu nennen.
Die Geschichte der Insel-Bücherei ist auch ein Stück Zeitgeschichte. Der Erste Weltkrieg schlägt sich nieder in Titeln wie „Deutsche Kriegslieder“ oder Ernst Moritz Arndts „Katechismus für den deutschen Kriegs- und Wehrmann.
Zur Zeit des Nationalsozialismus behielt Kippenberg sein bewährtes Verlagsprogramm bei, allerdings musste er sich von einigen, von den Nationalsozialisten verbotenen, Autoren trennen. Während des zweiten Weltkriegs erschienen etliche broschierte und auf minderwertiges Papier gedruckte Nummern als Feldpostausgaben.
Nach dem zweiten Weltkrieg symbolisiert der Verlag die deutsche Teilung. Auf Anregung der Amerikaner gründete Kippenberg 1945 in Wiesbaden eine Zweigstelle des Verlags. Das Verlagshaus in Leipzig bestand weiterhin. Mit der sich manifestierenden Teilung gab es schließlich auch zwei voneinander unabhängige Verlage, der eine mit Sitz in Leipzig, der andere in Wiesbaden, ab 1960 dann in Frankfurt / Main. Beide gaben weiterhin die Insel-Bücherei heraus. Nach der Wiedervereinigung Deutschland wurde 1991 auch der Insel-Verlag wieder vereint, heute hat er seinen Sitz in Berlin.
Mittlerweile sind 1365 Nummern der Inselbücherei erschienen, viele Nummern sind mehrfach belegt. Das Klingspor-Museum besitzt eine umfangreiche Sammlung von Inselbänden. In den siebziger Jahren schenkte ein Sammler aus Israel dem Museum seine über 1100 Bände umfassende Sammlung, seitdem wird die Sammlung ständig ergänzt.
Einen besonderen Höhepunkt in der Ausstellung zum hundertjährigen Jubiläum der Insel-Bücherei bildet die Sammlung Vermes aus Basel. Die passionierte Sammlerin beauftragte Protagonisten der zeitgenössischen Buchkunst, aber auch vielversprechende Nachwuchstalente mit der künstlerischen Überarbeitung von Inselbänden. Die Liste der vertretenen Künstler aus Europa, den USA und Japan liest sich wie ein „Who is who“ des modernen Künstlerbuches. Nur gebunden an das Format entstanden hier höchst unterschiedliche Arbeiten. So findet sich zum Beispiel Band 727 klassischer chinesischer Darstellungen der Lohans mit bissig kritischen Übermalungen von Ottfried Zielke, die verschiedene Spielarten moderner Götzen zeigen oder Band 422 in dem der amerikanische Fotograf Gregg LeFevre Bildwerken Georg Kolbes Modefotografien gegenüberstellt. Die Schau der 66 Unikate spannt einen reizvollen Bogen von Übermalungen zu Collagen, Dekonstruktionen des Buchkörpers bis hin zum nicht mehr blätterbaren Objekt.

Katalog: Zur Sammlung Vermes erscheint ein Katalog

Kategorien:
Kunst |  Ausstellungen im Bundesland Hessen | Ort:  Offenbach am Main |
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