Bernd und Hilla Becher, Hochofenwerke

Laufzeit: 20. September 2013 bis 26. Januar 2014

Schier unerschöpflich scheint das photographische Werk von Bernd und Hilla Becher zu sein, das sich bei aller Vielfalt im Bereich der Dokumentation industrieller Bauten durch Sachlichkeit, Genauigkeit und eine komplexe visuelle Grammatik auszeichnet. Die Rezeption künstlerischer Photographie ebenso wie andere Lebens- und Wissensgebiete finden darin immer wieder neue Anregungen. Erstmals bietet sich nun Gelegenheit, die vom Künstlerpaar auf vielen Reisen in Deutschland, Belgien, Luxemburg, Frankreich und in den USA höchst umfangreich erarbeiteten Bildreihen unterschiedlicher Hochofenwerke im nahen Vergleich zu betrachten. Die Präsentation stellt über 300 seit den 1960er-Jahren entstandene Schwarzweißaufnahmen von über 45 Hochofenwerken vor; Bildreihen und großformatige Einzelphotographien, die für die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur unter der Regie von Hilla Becher zusammengestellt bzw. auf Grundlage des originalen Negativarchivs neu abgezogen wurden.

Beeindruckend plastisch, fast modellhaft veranschaulichen die Hochofenanlagen mit ihren über Jahrzehnte entwickelten Großapparaturen das vielzitierte Ideal "Form folgt Funktion". Denn die Betreiber jener Anlagen sind weniger von ästhetischen Prinzipien, als vielmehr - die spezifischen Standortbedingungen berücksichtigend - von Überlegungen technischer und wirtschaftlicher Optimierung geleitet, die bis in den Beginn des neuen Jahrtausends reichen. Die von Bernd und Hilla Becher via Großformatkamera betrachteten und studierten Bauten lassen sich in Konstruktion und Funktion genau nachvollziehen. Der Hochofen und der Hochofenkopf wurden oft - sofern die Aufnahmesituation dies zulässt - von drei oder gar vier Seiten ins Bild gesetzt, so dass die Bildsequenz eine Abwicklung des jeweiligen Objekts wiedergibt - frontal, seitlich und perspektivisch gesehen. Eine analytische Sichtweise, die sich absichtsvoll im Naturwissenschaftlichen begründet und immer wieder, übertragen auch auf andere Funktionsbauten im Werk der Bechers, wiederfindet. Ein Hochofenwerk kann damit visuell durchschritten und in weiten Bereichen nachvollzogen werden. Nochmals nahsichtiger werden unterschiedliche, zum Beispiel für die Weiterleitung von Wind und Gas notwendige Röhrenelemente, Konstruktionen und Details abgebildet. Sie beeindrucken durch ihr Volumen und ihre elementaren Formen ebenso wie ihre Materialität und Tonalität. Sie regen unsere Phantasie an, besitzen eine eigene Ästhetik, fast ornamentale Kraft und Dynamik und lassen zugleich weitreichende Ingenieurs- und Handwerkerleistungen erahnen, die die Hochofenwerke über Jahrzehnte immer wieder neu überholen und gestalten.

Erstmals bietet sich nun Gelegenheit, die vom Künstlerpaar auf vielen Reisen in Deutschland, Belgien, Luxemburg, Frankreich und in den USA höchst umfangreich erarbeiteten Bildreihen unterschiedlicher Hochofenwerke im nahen Vergleich zu betrachten. Die Präsentation stellt rund 250 seit den 1960er-Jahren entstandene Schwarzweißaufnahmen von über 45 Hochofenwerken vor; Bildreihen und großformatige Einzelphotographien, die für die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur unter der Regie von Hilla Becher zusammengestellt bzw. auf Grundlage des originalen Negativarchivs neu abgezogen wurden. Die Bildreihen widmen sich beispielsweise den deutschen Hochofenanlagen in Duisburg-Bruckhausen, Völklingen, Lübeck oder in Eisenhüttenstadt, den französischen Werken in Longwy, Rombas oder Neuves-Maisons, den belgischen in Liège-Seraing, Charleroi und La Louvière, in Luxemburg Terre Rouge und Differdingen sowie in den USA Ensley, Fairfield, Gadsden, Mingo Junction, Aliquippa und Youngstown.

Einige der Hochofenwerke wurden inzwischen abgebrochen, umgenutzt oder sogar zu Industriedenkmalen ernannt, andere produzieren noch. Gemeinsam ist ihnen eine hohe identitätsstiftende Kraft, formen die monumentalen Werksanlagen nicht allein das Landschaftsbild einer Gegend, auch die Geschichte eines Ortes oder des Landes ist damit verbunden. Besonders die von Bernd und Hilla Becher großformatig umgesetzten Landschaftsbilder, die ausladende großflächige Industrieanlagen zeigen, machen dies deutlich. Nicht allein die zum Himmel ragenden gigantischen Bauten und Kamine sind zu erkennen, sondern auch das Umfeld, die Verkehrsanbindung, Brachen und Felder sowie angrenzende Gärten und Wohnbauten. Damit eröffnen sich viele Dimensionen zur Betrachtung.

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