C|O Berlin
10623 Berlin
Hardenbergstr. 22-24

Talents 31 . Somewhere On Disappearing Path

Laufzeit: 21. Februar 2015 bis 10. April 2015

Pilcene, Lettland. Ein kleines Dorf, das aus der Zeit gefallen scheint. Ein Ort, der eigene Erinnerungen wachruft, obwohl man nie zuvor dort war. Kristallklare Seen, riesige Heuballen, Fliegenpilze auf Waldlichtungen, Holzhäuser unter dichter Schneedecke, bunt dekorierte Wohnzimmer und deren Bewohner. In den Bildern der lettischen Fotografin Iveta Vaivode stehen nicht die Unmittelbarkeit und begleitende Dokumentation im Vordergrund, sondern die bewusste Darstellung einer bestimmten Atmosphäre – die eines ursprünglichen, heute kaum noch existierenden Landlebens. So idyllisch, dass die Bilder beinahe inszeniert wirken. Zwar ist dies nicht der Fall, dennoch setzt die Künstlerin ihre Bilder bewusst in Szene. Damit fügt sie der klassischen Reportage eine neue Ebene hinzu – Iveta Vaivodes Aufnahmen verweisen über die reine Dokumentation hinaus ins Magische, Fiktive, Märchenhafte und werden darüber hinaus zu Symbolen der Vergänglichkeit.

Iveta Vaivode begibt sich auf eine Reise in die Heimat der eigenen Familie, in der sie selbst jedoch vorher nie war. Es ist eine visuelle Exkursion ins gleichzeitig Fremde wie Vertraute, die die Fotografin in regelmäßigen Abständen unternimmt – ohne vorher festgelegte Reihung oder formale Kriterien, nur mit einem offenen, neugierigen Blick. Aus den einzelnen stillen Porträts, ruhigen Interieur- und poetischen Landschaftsaufnahmen entsteht auf diese Weise eine ethnologische Langzeitstudie in jener abgelegenen Gegend Europas. In einer sich stetig beschleunigenden Zeit liegt die Exotik und das Fremde in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Bilder vermitteln nicht nur eine fast archaische Langsamkeit des Lebens, sondern auch die langsame Entstehung der Serie selbst. Denn die Nähe zu den Protagonisten und deren Zutrauen und Offenheit hat sich Iveta Vaivode als vom Dorfleben Außenstehende peu à peu erarbeiten müssen. Dadurch erst gelingt ihr die seltene Innensicht einer verschlossenen Gemeinschaft in der Tradition klassischer Dokumentarfotografen wie Josef Koudelka, Joakim Eskildsen, Walker Evans und Robert Frank.

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Kategorien:
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