Japanische Tagträume. Die Sammlung Fotografie im Kontext

Laufzeit: 05. April 2016 bis 10. Juli 2016

Zwischen 1981 und 1985 konnte das MKG mit Unterstützung des Vereins der Freunde der Photographie eine umfangreiche Sammlung moderner und zeitgenössischer japanischer Fotografien aufbauen und besitzt damit einen der umfangreichsten Bestände in einem Museum außerhalb Japans. Dieses gut 900 Werke umfassende Konvolut stellt die Kuratoren heute vor Herausforderungen: Gibt es eine spezifisch japanische Fotografie? Zeichnet sie sich durch ihre Themen oder durch eine gemeinsame Bildsprache aus? Ermöglichen die Werke aus der Sammlung einen repräsentativen Überblick über die Geschichte der japanischen Fotografie oder vermitteln sie eher einen Eindruck davon, was zu Beginn der 1980er Jahre als „typisch japanisch“ erschien?

Anhand von rund 30 ausgewählter Positionen freier, künstlerischer Fotografie geht die Ausstellung diesen Fragen nach. In der Reihe Die Sammlung Fotografie im Kontext stellt das MKG Schwerpunkte der Sammlung Fotografie und neue Medien vor und ermöglicht fokussierte Einblicke in die umfangreichen Bestände.

Der rapide gesellschaftliche Wandel in Japan zu Beginn des 20. Jahrhunderts und die Spannungen zwischen Innovation und Tradition spiegeln sich in den Arbeiten verschiedener Fotografen. In seinen abstrakten Dunkelkammerexperimenten setzt sich Kanbei Hanaya in den 1930er Jahren mit der Bildsprache des Konstruktivismus auseinander und thematisiert Licht und Bewegung als Phänomene der Moderne. Taikichi Irie beschäftigt sich ganz unmittelbar mit den magisch-religiösen Wurzeln der japanischen Kultur. Seit den späten 1930er Jahren porträtiert er die Puppen des Bunraku-Theaters in Osaka, die er in seinen Bildern eindrucksvoll verlebendigt. Auch Shoji Ueda arbeitet in seinen Fotografien mit surrealistischen Stilmitteln. In den Sanddünen von Tottori inszeniert er seine Modelle wie Pantomimen auf einer Bühne, losgelöst von Raum und Zeit.

In den 1960er Jahren etabliert sich unter den japanischen Fotografen ein stark subjektiver Stil. Sie nutzen die Kamera als Instrument, um ihre Gegenwart, die eigene und die kollektive Identität zu erforschen. Miyako Ishiuchi betrachtet in ihrer Serie „Yokosuka Story“ die Stadt ihrer Kindheit, die als US-Marinestützpunkt eine strategische Rolle im Korea- und Vietnam-Krieg spielte. Foumio Takashima arbeitet mit Tänzern zusammen, die in seinen archaischen Bilderzählungen als Personifikationen von Naturphänomen auftreten. Masamichi Harada und Toshio Shibata zeigen in ihren Stillleben beschlagene Fensterscheiben oder Strukturen aus Sand und fragen nach der verborgenen Schönheit im Alltäglichen. Eine Erweiterung dieser lyrischen Fotografie um medienreflexive Ansätze findet sich in den Bildern des Künstlers Satoshi Saito, der fotografierte Wirklichkeitsausschnitte am Ort ihrer Entstehung in Szene setzt und erneut ablichtet.

Künstlerinnen und Künstler: Kanbei Hanaya, Masamichi Harada, Taikichi Irie, Miyako Ishiuchi, Satoshi Saito, Toshio Shibata, Foumio Takashima und Shoji Ueda

Kategorien:
Fotografie |  Ausstellungen im Bundesland Hamburg | Ort:  Hamburg |
Vergangene Ausstellungen
2021 (2)
2020 (8)
2019 (11)
2018 (15)
2017 (14)
2016 (16)
2015 (17)
2014 (21)
2013 (18)
2012 (12)
2011 (20)
2010 (17)
2009 (12)
2008 (13)
2007 (22)
2006 (12)
2005 (22)
2004 (11)
2003 (22)
2002 (31)
2001 (17)
2000 (20)
1999 (26)
1998 (21)
1997 (7)
1996 (1)
Änderungen / Ausstellungen melden

Sie wollen Änderungen oder Ergänzungen zu Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg mitteilen?

 Ausstellung melden  Ausstellungsbild senden  Museumsbild senden  Andere Änderungen  10 Highlights zeigen
Ausstellungsempfehlungen aus anderen Museen
Abbildung: Gussform für eine Kreuzigungsgruppe, um 1500 © LWL-Archäologie für Westfalen
Die Siedler von Bielefeld
Historisches Museum
Bielefeld
27.06.2021 bis 26.09.2021
Nach den Ausgrabungen an der Welle in den Jahren 2000-2002 hatte ein archäologisches Team der LWL-Archäologie für Westfalen 2017/18 erstmals wieder die Gelegenheit, ein größeres Areal in der Biel...
Abbildung: Das Universum © Kathrin Glaw - Museum Mensch und Natur
Alle Zeit der Welt
Museum Mensch und Natur
München
06.12.2019 bis 30.09.2021
Zeit... betrifft und berührt uns alle, sie knechtet und befreit uns, lässt uns aufblühen und welken, sie ist auch, wenn wir nicht mehr sind. Der stetige Fluss der Zeit trägt die Relikte der Vergan...