Lexikon

Handwörterbuch der Textilkunde aller Zeiten und Völker für Studierende, Fabrikanten, Kaufleute, Sammler und Zeichner der Gewebe, Stickereien, Spitzen, Teppiche und dergl., sowie für Schule und Haus, bearbeitet von Max Heiden, Stuttgart 1904

Gesamtindex
Eintrag: Gebetteppiche
Gebetteppiche (persisch Tschanemaz türkisch Nemazi) haben den Namen davon erhalten, dass sie für Decken in Verwendung kommen, welche dem Mohammedaner als Fussteppiche während der Verrichtung seines Gebetes dienen; mit Bücksicht auf die religiöse Vorstellung des Muselmannes, dabei das Gesicht gegen die heilige Stadt Mekka gekehrt zu haben, wird in das Teppichmuster gewöhnlich eine, Mihrab genannte Nische von giebelartiger Form eingewirkt, an der Stelle, wo dann bei den Verbeugungen stets der Kopf des Betenden zu ruhen kommt. Diese Flächenmusterung aus der Gebetnische mit Darstellung der Säulen als Träger des spitzbogigen Gebälkes (vgl. Abb. 86), an welchem oft noch die hängende Ampel das Originalbild vervollständigt, findet auch Anwendung in gewebten und gestickten Vorhängen des Orients. (Vgl. Abb. 26.)
Siehe auch:  Albi  Auch  Decken
Abbildungen:

Abb. 26 Arabische Bogenstellung nach einer Darstellung aus Kumsch, mit Muster orientalischer Gewebe und Druckstoffe, Tafel 7, Leipzig 1893. Original in einem Seidenvorhang, Türkei 17. Jahrhundert.

Abb. 86 Darstellung aus: Rigl, Ein orientalischer Teppich vom Jahre 1202 n. Chr. und die ältesten orientalischen Teppiche, Berlin 1897: Knüpfteppich (sogen. Gebetteppich) in farbiger Wolle. In Mitte auf rotem Grunde das von Säulen getragene Gebälk, welches die Gebetnische darstellt.