Romantikerhaus
07743 Jena
Unterm Markt 12a

Auf Dornen oder Rosen hingesunken
Eros und Poesie bei Clemens Brentano

Laufzeit: 12. November 2005 bis 05. März 2006

„Auf Dornen oder Roßen (= Rosen) hingesunken“ – so beginnt der romantische Dichter Clemens Brentano eine Fassung seines berühmten Sonetts (eine spätere Fassung trägt den Titel „Verzweiflung in der Liebe an der Liebe“), das die Nähe von Liebe und Tod ins Bild bringt. Viele seiner Dichtungen thematisieren zwiespältige und bittersüße Liebeserfahrungen. Die Lureley ist eine verzweifelte Frau, die von ihrem Liebsten verlassen wurde und sich daraufhin an den Männern rächte, sie mit erotischer Zauberkraft „zuschanden brachte“ und – selber unglücklich – sogar den Bischof in ihren Bann zog.

“Zu Bacharach am Rheine
Wohnt eine Zauberin,
Sie war so schön und feine
Und riß viel Herzen hin.
<...>“

Die Geschichte um die verführerische Loreley, die bei Heinrich Heine wenig später als „Märchen aus uralten Zeiten“ erscheint, ist in Wahrheit eine Erfindung Brentanos, die durch die Ähnlichlichkeit des Namens für den Schieferfelsen bei Bacharach (Lourley, Lurleiberg bzw. Lurleifelsen) mit dem Frauennamen Lore angeregt wurde. Noch Gedichte aus Brentanos letzten Lebensjahren, die sich an seine Münchner Freundin Emilie Linder richteten, sind von gefährlichen Nixen und Sirenen bevölkert, die arglose Schiffer ins Verderben führen:

„Ich schiffte einsam auf den Wogen,
Da hat dein Lied vom Felsen her
Mich in die Brandung hingezogen
Sirenen Kind, ich mußt an deinen Klippen stranden
Mich lockten Flammen, die auf deinen Lippen branten.
<...>“

Die meisten von Brentanos Liebesgedichten, die in der Jubiläumsausstellung zum 225. Geburtstag des Autors am 9. September vorgestellt werden, sind vordergründig auf Frauen zu beziehen, denen der Dichter in seinem Leben begegnete: auf die Schwestern Sophie und Bettine und einige Jugendfreundinnen wie Wilhelmine (Minna) Reichenbach, auf die erste Ehefrau Sophie Mereau, auf die zweite Auguste Bußmann oder eine der Freundinnen der späteren Lebensphasen wie Luise Hensel und Emilie Linder. Aus den Gedichten auf die empirischen Frauen zu schließen, führt allerdings in die Irre, da die Frauengestalten in Brentanos Dichtung einer Allegorisierung und Mythisierung unterworfen waren. Selbst in seinen Briefen an geliebte Frauen entwirft Brentano mitunter ein Bild der Adressatin, das mit der empirischen Realität nur wenig zu tun hat.

Die Geschichte von Brentanos Beziehungen zu Frauen ist nicht zuletzt eine Geschichte des Scheiterns – der Tod seiner ersten Frau Sophie Merau und aller Kinder, die skandalöse Scheidung von seiner zweiten Frau Auguste Bußmann, die halb erotisch, halb religiös getönte Beziehung zu der jungen Luise Hensel, die nicht zu der von ihm gewünschten Gemeinschaft führte und schließlich die weitgehend unerfüllte Leidenschaft zu der Basler Malerin Emilie Linder. Sie soll einmal gesagt haben: „Es wird Ihnen nie Etwas bei mir gelingen, als höchstens ein Lied“. Die Lieder aber, die Brentano unter solchen Auspizien noch als über 50jähriger schrieb, gehören zu den schönsten der deutschen Lyrik.

Neben handschriftlichen Originalen, Erstdrucken und zeitgenössichen Bildern zeigt die Ausstellung zahlreiche bisher noch nicht ausgestellte Gegenstände aus dem Besitz von Nachfahren der Familie Brentano wie das Reisebesteck und den Rosenkranz Clemens Brentanos, ein Collier seiner Mutter Maximiliane und zahlreiche Silbergegenstände aus dem Besitz der Familie seines älteren Bruders Franz.

Die Ausstellung ist so konzipiert, daß sowohl Brentano-Kennern Neues präsentiert als auch noch nicht mit der Materie Vertrauten interessante Einblicke geboten werden.

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