Lindenau-Museum
04600 Altenburg
Gabelentzstraße 5

Altenburg: Provinz in Europa
Eine künstlerische und kulturtopographische Anthologie

Laufzeit: 23. September 2007 bis 20. Januar 2008

Altenburg: Provinz in Europa. Eine künstlerische und kulturtopographische Anthologie
23. September 2007 bis 20. Januar 2008
Gefördert durch: Kulturstiftung des Bundes, Kulturstiftung des Freistaates Thüringen, enviaM, Druckerei zu Altenburg, Freunde des Lindenau-Museums e. V.

Die Sammlungen des „Gelehrten, Staatsmannes, Menschenfreundes und Förderers der Schönen Künste“ Bernhard August von Lindenau (1779-1854), die er dem Staat mit den Auflagen der Unveräußerlichkeit und dauernden Bindung an die Stadt Altenburg stiftete, bestimmen bis heute den Rang des Lindenau-Museums. An der Schwelle zur Moderne agierte der Universalist Lindenau zwischen Aufklärung und Romantik. Seine höchst aktuell erscheinenden Reflexionen gesellschaftlicher, politischer, sozialer, naturwissenschaftlicher und kultureller Prozesse wie sein im Kantschen Sinne aktives Eingreifen in diese Prozesse bilden den Hintergrund der Projektidee.
Das Lindenau-Museum, ein Ort für alte und neue Kunst, will seine Stadt ausstellen: Altenburg, ein Vorort Leipzigs und eine der schönsten deutschen Kleinstädte, reich an Kunst von außergewöhnlichem Rang, gelegen im einigen und doch so heterogenen Europa zwischen Thüringen und Sachsen und London (Ryanair fliegt täglich von Altenburg/Nobitz nach London und zurück), zwischen Dresden, Weimar und Naumburg, eine Stadt, die mit finanziellen und sozialen Problemen kämpft und zugleich reich ist an kultureller Substanz.
Sie erscheint vor dem Hintergrund der EU in vielerlei Hinsicht als ein Präzedenzfall, in dem sich internationale Entwicklungen fokussieren: vom Bergbau (Braunkohle und Uran) und der Bergbausanierung über die problematischste Thüringer Umweltlast, den Rositzer Teersee, sowie das Errichten und den „Rückbau“ von Wohnvierteln einerseits bis hin zum Nachdenken über neue Trägerschaften und Konzepte für die Kulturinstitute der Region andererseits.
Die Entwicklung der Stadt und ihres Umlandes in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und in der Gegenwart erscheint als Indikator für politische und gesellschaftliche Tendenzen in Europa. Das Projekt will dazu beitragen, diese Vorgänge bewusst zu machen, indem es den Bestand aufzeigt, die Verluste – vergangene, gegenwärtige und noch zu erwartende – vorweist und mögliche Konsequenzen wie Strategien des Widerstehens oder aber der Erinnerung zu erkennen hilft.
Die Methode soll interdisziplinär und ebenso exemplarisch wie kursorisch sein. Konkrete soziale, historische und künstlerische Beispiele – als kollektive wie individuelle Erfahrungen verstanden – bilden die Kerne der Untersuchungen, die sich zum „Rahmenthema“ zusammenschließen. Obwohl der Schwerpunkt auf den vergangenen fünfzig Jahren liegt, sollen historische „Lotungen“ in die Kultur- und Industriegeschichte der Region, so zu Lindenau, den Enzyklopädisten Brockhaus und Pierer u. a. vorgenommen werden.
Die Auswahl dieser Themen und Beispiele soll streng erfolgen und sich auf Markantes (das können auch kleine, zeichenhafte Dinge sein) von überregionalem Interesse beschränken. Die Kuratoren unternehmen mit den eingeladenen Künstlern, Wissenschaftlern, Literaten eine forschende Wanderung durch Höllenkreise und Paradiese, entwerfen ein Zeitbild und setzen es durch ihre Arbeit in den Kontext europäischer Entwicklungen. Die Ergebnisse werden als fotografische und andere Bilder, als Installationen, Texte, Filme oder Videos präsentiert. Künstler und Wissenschaftler nutzen ihre jeweiligen Ausdrucksmittel. Es erscheint ein Buch, das kein Katalog ist sondern eine Anthologie heutiger Einsichten; ein Buch, das fortgeschrieben werden könnte.
Parallel zu den Künstlern werden sich Schulkinder aus dem Neubaugebiet Altenburg-Nord unter Anleitung des Studios Bildende Kunst des Lindenau-Museums auf eine Entdeckungsreise durch ihre Stadt begeben.
Anfang September werden an ausgewählten Orten in der Stadt „Wandzeitungen“ geklebt, durch die die Altenburger Bevölkerung über das Projekt informiert und zur Mitarbeit eingeladen wird.

Katalog: Altenburg: Provinz in Europa. Eine künstlerische und kulturtopographische Anthologie. Das Buch zum Projekt. Nürnberg : Verlag für moderne Kunst, 2007, ISBN 978-3-939738-81-7

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