Industrie- und Filmmuseum Wolfen
06766 Wolfen
Chemiepark Bitterfeld-Wolfen, Areal A, Bunsenstraße 4

Puppen im Film

Laufzeit: 05. Februar 2009 bis 26. April 2009

Ob Homunculus, Alraune oder Puppe – das Verlangen einer von Menschenhand geschaffenen Figur eine eigene Welt und ein eigenes Leben zu geben, zieht sich durch die Jahrhunderte und durch die verschiedensten Kulturen dieser Erde. Die Erfindung des Films vor über hundert Jahren sollte diesem Wunsch eine faszinierende Umsetzung erlauben. Im Animationsfilm konnten Filmemacher und Filmemacherinnen künstliche Welten und Figuren schaffen und sie nach ihrem Willen beseelen.

In Dresden befand sich von 1955 bis zu seiner Schließung im Jahre 1992 das DEFA-Studio für Trickfilme, das staatliche Animationsfilmstudio der DDR. Rund 1.500 Animationsfilme in allen klassischen Tricktechniken wurden für Kino und Fernsehen gedreht, vorrangig Kinderfilme, die ca. 70% der jährlichen Produktion ausmachten. Dies entspricht einer Menge von 210 Spielfilmen.

Dem Puppenanimationsfilm gehörte die besondere Liebe der Dresdner Filmemacher. Einerseits griff das DEFA-Studio damit auf die jahrhundertealte mitteleuropäische Tradition des Puppenspiels zurück, andererseits wurde seine Arbeit von der historisch gewachsenen Nähe der DDR zu den Staaten Osteuropas beeinflusst, die stets führend in der Produktion von Puppenanimationsfilmen gewesen sind. In 480 der insgesamt 800 Filme, die das DEFA-Studio für das Kino hergestellt hat, agierten animierte Puppenfiguren. Dabei entwickelten die Szenenbildner und -bildnerinnen unterschiedlichste Gestaltungsideen und arbeiteten mit einer Fülle an Materialien.

Die Ausstellung Puppen im Film dokumentiert an ihren zwölf Vitrinenstationen mit minimalistisch gestalteten Schauplätzen und je zwei oder drei Puppenfiguren sowie einigen Requisiten die Vielfalt der künstlerischen Handschriften sowie die gestalterischen Fertigkeiten des DEFA-Studios. Gemeinsam finden sich die von der Romantik geprägten „Novelle“-Figuren, die aus edlem Meißner Porzellan gefertigt sind, die exotischen, anmutigen Puppen aus „Der fallende Schatten“, die derb-komische „Kluge Bauerntochter“ sowie die skurrilen Puppen aus „Heinrich der Verhinderte“ zu einem Stelldichein.

Große Portraitfotos der Figuren, Zitate der Regisseure und Gestalter sowie Filmplakate auf Stellwänden und Filmausschnitte geben der Präsentation einen inhaltlichen wie auch optischen Rahmen. Puppen im Film gibt damit einen Einblick in ein Kapitel deutscher Filmgeschichte und in das Genre des traditionsreichen Puppenanimationsfilms.

Kategorien:
Film |  Ausstellungen im Bundesland Sachsen-Anhalt | Ort:  Wolfen |
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