Kunsthalle Villa Kobe
06110 Halle (Saale)
Philipp-Müller-Strasse 65

Schulfrei - Junge Leipziger Positionen

Laufzeit: 26. Mai 2011 bis 10. Juli 2011

Die Relevanz von Strömungen in Gesellschaft und Kunst manifestiert sich erst im Rückblick, in ihrer historischen und kunstgeschichtlichen Rezeption. Umso größer ist die Herausforderung zeitgenössische künstlerische Positionen zu zeigen, die nicht nur im Jetzt sind, sondern auch an Vergangenes anknüpfen und in die Zukunft verweisen. Seit den 60er Jahren und einer Wellenbewegung nochmals in den 90er Jahren haben sich die Strömungen in der Kunst diverser Medien, neuen Präsentationen und Ausdrucksformen geöffnet, so dass viele Schauplätze nebeneinander existieren. Wenn von Schulen gesprochen wird - sei es von der Düsseldorfer, Leipziger oder gar Neuen Leipziger Schule - so sind dies in Anbetracht der produktiven kreativen Diversität nur kleine Einblicke in das aktuelle Geschehen. Nicht selten sind und waren diese Begriffe im Grunde genommen der Versuch, örtliche Strömungen, Häufungen und Phänomene der Kunstproduktion und Lehre einzuordnen.

Diese Einordnung eignet sich gleichzeitig vortrefflich, kommerzielle Schubladen zu öffnen und das sogenannte Marketing in Perfektion umzusetzen. Die Ausstellung "Schulfrei" zeigt jenseits und frei dieser Zuordnungen aktuelle Positionen zehn junger Leipziger Künstler. Speziell wird das Augenmerk auf die Genres Fotografie, Objekte, Installation, Zeichnung und Video gelegt. Sowohl poetische als auch konzeptuelle Ansätze spielen eine Rolle. Formales und Inhaltliches greifen ineinander. Fotografie wechselt ins Installative ("hinterland connections" von Jan Mammey und Daniel Poller). Gegenstände werden zu lebendigen Portraits ("Toy soldiers" von Sebastian Schröder). Der Fotograf Thomas Xaver Dachs inszeniert sich als Himmelsmalenden. Die Hinterfragung von Schein und Sein ist ein Schwerpunkt in der unverwechselbaren Kunst von Anna George Lopez. Transformation von alltäglichem Material nutzt Andreas Miller. Außergewöhnliche Materialien wie farbiger Puderzucker oder Zollstöcke werden zu bedeutungsvollen Inhaltsträgern. Erinnerung, Geschichte und Kultur werden von Karl-Heinz Bernhardt in reduziert symbolhaften Objekten und Skulpturen verbunden. Das Video "Pyramide" von Ronald Gerber spitzt die Frage wie Kunst begründet wird und werden kann, so zu, dass die Intension des Künstlers irrelevant wird und die Interpretation dem Betrachter zugesprochen wird. Die Auswüchse im Arbeitsmarkt von z.B. Bewerbungsverfahren und Verobjektisierung des Protagonisten führt Gerber in seinem neuen Video vor.

Den Reiz der blattfüllenden Zeichnungen von Bastian Muhr macht die Kombination des Wegradierten, Verschwommenen mit den konstruktiv-geometrischen Linien aus. Linolschnitt als work in progress von neun Teilen auf 27 bis 36 Platten erweitert und zugleich als Gesamtwerk und Einzelplatte funktionierend, ist eine besondere Entwicklung im Schaffen von Anya Triestram. Ihre Serie "Jagdhütte, Mittag: 12:30 Uhr" hat nicht nur den inhaltlich kunsthistorischen Kontext des Hasen, der von Dürer bis hin zu Beuys reicht, sondern changiert zwischen formaler Kühle und poetischem Verspieltsein.

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Kategorien:
Kunst | 20. Jahrhundert | 21. Jahrhundert |  Ausstellungen im Bundesland Sachsen-Anhalt | Ort:  Halle (Saale) |
Vergangene Ausstellungen
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