Romantikerhaus
07743 Jena
Unterm Markt 12a

Lichtenberg reloaded – Eine Hommage

Laufzeit: 27. Februar 2016 bis 12. Juni 2016

Der Aufklärer Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799) gehört zu den brillantesten Denkern der deutschen Geistesgeschichte. Als Mathematiker, Professor für Experimentalphysik und Schriftsteller war er ein Universaltalent. Ihm sind die theoretischen Grundlagen für den Fotokopierer zu verdanken, er beschäftigte sich mit Blitzableitern und Zeitreisen und galt seinen Studenten als innovativer und amüsanter Lehrer.

Der Titel der Ausstellung „Lichtenberg reloaded“ nimmt Bezug auf die universellen Anlagen des geistigen Ahnherrn.

Das englische „Reloaded“ bezeichnet einen Zustand elektrischer Spannung der in diesem Zusammenhang beziehungsreich auf den Naturwissenschaftler Lichtenberg verweist.

Neben den vielfältigen astronomischen Arbeiten beschäftigte sich Georg Christoph Lichtenberg besonders mit physikalischen Experimenten und arbeitete auch an Voltas Apparatur zur Speicherung statischer Elektrizität.

1780 installierte Lichtenberg in Göttingen den ersten Blitzableiter. Sein Leben lang forschte er über Blitze und ihre Ableitung. Die zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen auf den Gebieten der Elektrizitätslehre oder der Astronomie wurden durch eine rege journalistische Tätigkeit ergänzt.

„Reloaded“, im Sinne von „aktualisieren“, will die Ausstellung in besonderer Weise Lichtenbergs literarisches Vermächtnis. Während er zu seinen Lebzeiten als einer der führenden Naturforscher galt, sind heute die Aphorismen aus den „Sudelbüchern“ eine Quelle der Anregung. In ihnen vereint der Naturforscher und Journalist auf witzig-ironische Weise seinen wissenschaftlichen Erfahrungshorizont mit einer scharfen Beobachtungsgabe.

Lichtenberg war kleinwüchsig, litt an Kurzatmigkeit und seit frühester Kindheit an einer rachitischen Rückgratverkrümmung, die sich zum Höcker auswuchs. Zeitgenossen sahen in der auffallenden Erscheinung Lichtenbergs für den Leidtragenden einen Zwang der Natur zum Ausgleich, auf eine mitunter bizarre Weise geistreich zu sein. Jedenfalls haben die körperlichen Behinderungen Lichtenbergs wachen Verstand und seine feinsinnige Beobachtungsgabe nur geschärft. Der erste deutsche Aphoristiker notierte in seinen Notizen, von ihm selbst „Sudelbücher“ genannt, tief philosophische Gedanken, ebenso wie frechen Nonsens. Die Frühromantiker um die Brüder Friedrich und August Wilhelm Schlegel stehen in der Tradition dieser Aphorismen.

Ebenso wie bei Lichtenberg sollten ihre Fragmente Texte zum Denken sein, wobei besonders das „um die Ecken Denken“ gefragt war. Das Ungewöhnliche, Unvorhergesehene mit gewöhnlichen, erwartbaren Vorstellungen zu verknüpfen ist sowohl bei den Frühromantikern als auch bei Lichtenberg eine Methode, um mittels der witzigen Entladung für den Leser einen neuen Betrachtungshorizont zu erhellen. Lichtenberg, der Freidenker und Ästhet, der gnadenlose Spötter und brillante Wissenschaftler, ist für viele Künstler, die sich von seinem unverändert frischen und lebendigen Werk anregen lassen, zur lohnenden Inspirationsquelle geworden.

„Reloaded“ im Sinne von „neu geladen“ meint auch, die Texte Lichtenbergs durch moderne künstlerische Bildfindungen in ein aktuelles Bezugsfeld zu setzen und so für den Betrachter den Erkenntnisgewinn zu steigern.

In jüngerer Vergangenheit entdeckten unter anderem Loriot, Franziska Becker, F.W. Bernstein, Gerhard Glück, Rudi Hurzlmeier, Ernst Kahl, Dorthe Landschulz, Ulrike Martens, Hans Traxler und viele andere den großen kleinen Gelehrten für sich. Die Wege der künstlerischen Annäherung sind vielfältig. Oft entstehen die Werke aus dem assoziativem Weiterdenken der Texte Lichtenbergs, wie bei Traxler, der die zeitlosen Aphorismen auf alltägliche gesellschaftliche und menschliche Probleme unserer Gegenwart anwendet.

Die ausgestellten Arbeiten sind Zeugnis der enormen Spannung im Werk eines Universalgenies, eine Spannung die für den Betrachter manch erhellenden Blitz bereit hält.

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