Dietrich Klinge - Im Dialog mit der Klassik

Laufzeit: 29. März 2017 bis 31. Dezember 2017

Die Intervention im Christian Daniel Rauch-Museum gestaltet in diesem Jahr der Bildhauer Dietrich Klinge. Seine Skulpturen, vor dem Marstall und im Inneren des Museums präsentiert, stehen im Dialog oder Diskurs zu den Skulpturen des Klassizismus. Wie Christian Daniel Rauch arbeitet Klinge mit dem Material Bronze, jedoch mit dem künstlerischen Anspruch eines zeitgenössischen Bildhauers, der seine Grundformen aus grob bearbeiteten Holzstämmen entwickelt. Es entstehen gegenständliche Figuren, die mythologische oder religiöse Inhalte aufweisen können. Die Prämisse des Gewinns von Erkenntnissen und der Erweiterung ästhetischer Erfahrungen ist auch der Intervention Dietrich Klinges zu Eigen, der einer der bedeutendsten Bildhauer der Gegenwart ist.

Dietrich Klinges Intervention besteht aus 10 Plastiken, alles Bronzefiguren, von der Miniatur- bis zur Großfigur, meist weibliche Figuren, aus den Jahren 2010 bis 2016.
Dietrich Klinge, 1954 im ostdeutschen Heiligenstadt/Eichsfeld geboren, zieht mit vier Jahren mit seiner Familie in den Westen. Er verbringt seine Jugend in Stuttgart, und beginnt früh, die Grafiken von Dürer und Rembrandt zu kopieren. Nach einer langen Reise nach Nepal und Indien, beginnt er 1979 das Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Zunächst richtet er sein Augenmerk auf die Zeichnung und die Druckgrafik. Bis heute bevorzugt Dietrich Klinge diese Kunstform, in dem er einzelne Drucke, Blätter und ausgewählte Bücher in limitierten Auflagen herstellt. 1979 ist seine erste Steinskulptur datiert; er wechselt zur Bildhauerklasse, die er 1984 abschließt. Aufgrund einer Handverletzung, entscheidet sich Klinge für die Bildhauerei in Holz mit anschließender Übertragung in den Bronzeguss. Dietrich Klinge lebt und arbeitet seit vielen Jahren in einer restaurierten Mühle im mittelfränkischen Weidelbach bei Dinkelsbühl.
Dietrich Klinge hat ein eigenes Herstellungsverfahren für seine Werke entwickelt: erst erarbeitet er sich seine Skulpturen mit dem Werkstoff Holz und anschließend vollzieht der Künstler eine Umwertung, in dem er seine Modelle in Bronze gießt. Es findet in diesem Sinne eine „Materialübersetzung” statt, wobei im Detail die Abdrücke der Holzstruktur in Bronze an praehistorische, jahrmillionen alte Versteinerungen erinnern.
Dietrich Klinge hat sein künstlerisches Schaffen kontinuierlich weiter entwickelt. Mit verschiedenen Werkzeugen wie der Kettensäge bearbeitet er Holzstämme in klar gesetzten Schnitten in subtraktiver Manier. Phasen des Betrachtens begleiten den Prozess des Findens der Gestalt für eine Figur. Zum Anderen verfährt er additiv, in dem er Holzstücke, Rinden etc. hinzufügt, zum Teil auch wiederverwendete Stücke von anderen Skulpturen; so können auch Assemblagen entstehen. Ist die Komposition des Holzmodells in seinen Augen zufriedenstellend, wird die Form in Bronze gegossen. Der Künstler gestaltet und begleitet diesen Vorgang; und zum Abschluss patiniert er den Bronzeguss. Durch die künstlich erzeugte Alterung gewinnen Klinges Skulpturen eine differenzierte Plastizität; die Oberflächen haben so eine zusätzliche ästhetische Aussagekraft.
Während der Vorbereitung für Großplastiken fertigt Dietrich Klinge kleine Wachsmodelle, Marquetten, an, die die Komposition und die dreidimensionale Wirksamkeit der Figur als eine Form der künstlerischen Annäherung zu ertasten versuchen.

Kategorien:
Kunst | Zeitgenössische Kunst | 21. Jahrhundert |  Ausstellungen im Bundesland Hessen | Ort:  Bad Arolsen |
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