"+ nicht klein beigeben." Die Tänzerin und Bildhauerin Oda Schottmüller

Laufzeit: 03. Dezember 2005 bis 07. Juli 2006

In der Oktober-Ausgabe des Jahres 1943 meldete die Fachzeitschrift "Der
Tanz" in einer kurzen Notiz den Tod der 38jährigen Tänzerin Oda Schottmüller
im August 1943. Was die Zeitschrift ihren Lesern indes verschwieg, hatte der
Oberreichskriegsanwalt Dr. Manfred Roeder der Mutter Oda Schottmüllers zwei
Monate zuvor am 10. August mitgeteilt: "Das gegen Ihre Tochter Oda
Schottmüller durch den 2. Senat des Reichskriegsgerichts am 26.1.1943
verhängte Todesurteil ist am 5.8.1943 im Strafgefängnis Plötzensee
vollstreckt worden."

Unter dem Fallbeil starb eine leidenschaftliche Künstlerin - Tänzerin und
Bildhauerin. Begeistert von der Vielfalt des Tanzes im Berlin der 1920er
Jahre und der Gestaltungskunst der Ausdrucks-tänzerin Vera Skoronel
entwickelte die Bildhauerstudentin bald erste eigene Tänze, die durch die
Verwendung selbstgefertigter expressiver Masken und Kostüme Aufmerksamkeit
bei Publikum und Kritik erregten.

Ende der 1930er Jahre geriet sie in Kontakt mit dem Freundes- und
Widerstandskreis um Harro Schulze-Boysen, in dem freimütig künstlerische und
politische Fragen diskutiert wurden. Oda Schottmüller sympathisierte mit
Aktionen des Kreises gegen das nationalsozialistische Regime und war doch
gleichzeitig auch als gefeierte Tänzerin in der Truppenbetreuung in Holland,
Frankreich und Italien tätig.

Im August 1942 wurde die Geheime Staatspolizei auf die Aktivitäten von Harro
Schulze-Boysen und seinen Freunden aufmerksam. Sie verhaftete innerhalb
weniger Wochen mehr als 120 Menschen aus seinem Umfeld, unter ihnen auch Oda
Schottmüller. Sie wurden dem Fahndungskomplex "Rote Kapelle" zugeordnet und
beschuldigt, einer von Moskau gesteuerten Spionageorganisation anzugehören.
Oda Schottmüller wurde angeklagt, ihr Atelier für Funkversuche dieser Gruppe
zur Verfügung gestellt zu haben und zum Tode verurteilt.

Das Deutsche Tanzarchiv Köln präsentiert in der Reihe "Die Kleine
Ausstellung im Tanzmuseum" aus Anlass des 100. Geburtstags von Oda
Schottmüller mit Unterstützung privater Sammler die einzig erhaltenen
Dokumente ihres Lebens und Wirkens, darunter bislang unbekannte
Photographien, ein Zeugnis ihrer bildhauerischen Tätigkeit sowie Dokumente
der Haftzeit. Als Begleitbuch zur Ausstellung ist im Lukas-Verlag
erschienen: Geertje Andresen: Die Tänzerin, Bildhauerin und Nazigegnerin Oda
Schottmüller. Berlin 2005.

Kategorien:
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