Gustav-Lübcke-Museum
59065 Hamm
Neue Bahnhofstraße 9

SportGeist - Die Kulturgeschichte von Turnen und Sport in Westfalen
Wie der Sport nach Westfalen kam

Laufzeit: 12. November 2006 bis 20. Mai 2007

Die Ausstellung "SportGeist - Die Kulturgeschichte von Turnen und Sport in Westfalen" präsentiert rund 200 Jahre Leibesertüchtigung in Westfalen vor dem Hintergrund von Politik, Geschichte und Gesellschaft.

Das Gustav-Lübcke-Museum bietet erstmals in der Region auf mehr als 500 Quadratmetern Fläche eine umfassende kulturgeschichtliche Schau zum Thema Turnen und Sport. Es berücksichtigt mit mehr als 200 Rekonstruktionen, Originalobjekten und spannendem Fotomaterial die Entwicklung der Turn- und Sportgeschichte in über 40 westfälischen Städten und Gemeinden. Die Ausstellung SportGeist bricht kulturhistorische Phänomene auf die Ebene der Regionalgeschichte herunter, ist kurzweilig und doch wissenschaftlich zuverlässig; sie wird auch manche persönliche Erinnerung an Schulturnen und Sporterlebnisse wecken.

Unterstützung bei der ambitionierten Darstellung erhielt das Haus vom Westfälischen Turnerbund, dem Sportwissenschaftlichen Institut der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, von zahlreichen westfälischen Sportvereinen sowie von staatlichen und städtischen Archiven und Katasterämtern, Privatpersonen und sporthistorischen und kulturgeschichtlichen Museen.

Turnen, Gymnastik, Rad fahren, Rudern, Tennis, Boxen und die vielen Mannschaftssportarten - Sport als Freizeitgestaltung ist heute selbstverständlicher Teil des modernen Lebens. Die Ausstellung im Gustav-Lübcke-Museum fragt nach den Entstehungsbedingungen und zeichnet die Kulturgeschichte des organisierten Sports in Westfalen nach: in Schulen, in Vereinen, in kommerziell betriebenen Einrichtungen.

Die Ausstellung präsentiert zunächst die Ansätze der Philanthropen und des Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn, die bereits um 1800 das Turnen befürworteten und auch für die Entwicklung in Westfalen erste Impulse gaben. So errichtete man auch hier im Westen erste Turnplätze und um 1850 sogar Hallen. Die frühe Turnwelt ersteht im Museum in Nachbauten der ersten Turnplätze, z.B. mit Vierbäumen und Jahnschem Turnpferd, mit einem meterhoch projiziertem Aufriss der ersten westfälischen Halle in Detmold und mit historischen Turngeräten aus dem Fundus der alten Turngerätefabrik Meyer.

"Deutsches Turnen" pflegten damals vorwiegend Männer in einer ständig wachsenden Zahl von Vereinen; erst seit etwa 1900 hielt der "Sport" aus England Einzug in Westfalen. Auch der Begriff "Sport" stammt aus England, wo die "upper class" um die Jahrhundertwende dem Tennis, Rudern, Reiten und dem Wintersport frönte. Anschaulich gestaltet das Museum diese Entwicklung durch die Präsentation von historischen Tennisschlägern und Reitsportzubehör sowie eines Ruderbootes aus den 1920er-Jahren, stimmungsvoll an einer Uferböschung in Szene gesetzt. Breitere Akzeptanz erhielt der Sport in Deutschland jedoch erst, als die Arbeiter und Arbeiterinnen einen Feierabend kennen lernten und Sport in der Freizeit als Alternative zum Arbeitsalltag interessant wurde. Den Sportdisziplinen des Bürgertums gegenübergestellt ist daher der Sport der "kleinen Leute", vom Radsport des sozialistischen Arbeiterradfahrerbundes Solidarität mit einem Originalfahrrad und zahlreichen Objekten bis zum Brieftaubensport der Bergleute mit Taubentransportkörben und Konstatieruhren.

Das Bild des "Neuen Menschen" der Lebensreformbewegung um 1900 konkretisiert SportGeist in den Bereichen Wandern und Schwimmen mit historischem Fotomaterial, Reformkleidung und Wandervogelausstattung. Die Selbstgleichschaltung der Sportvereine und die nationalsozialistische Instrumentalisierung des Sports für rassistische und militaristische Zwecke werden mit zahlreichen fotografischen Zeugnissen aus Westfalen sowie historischen Plakaten und Dokumenten belegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es lange, bis der Sport wieder neue Impulse erhielt. Der 1947 gegründete LandesSportbund gab sich ein unpolitisches Profil, war aber bestrebt, Arbeitersport und konfessionell gebundenen Sport zu repräsentieren. Mit Bodybuilding und Aerobic wurde in den 1980er-Jahren eine Fitnessbewegung ins Leben gerufen, die sich bis heute im Wellness-Trend fortsetzt.

Katalog: Sportgeist : Die Kulturgeschichte von Turnen und Sport in Westfalen: 19,90 €

Zur Museumseite: Gustav-Lübcke-Museum

Kategorien:
Kulturgeschichte |  Ausstellungen im Bundesland Nordrhein-Westfalen | Ort:  Hamm |
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