Olaf-Gulbransson-Museum
83684 Tegernsee
Im Kurgarten 5

Gerhard Gepp
Poetische Satire

Laufzeit: 13. März 2005 bis 15. Mai 2005

Einem menschlichen Kopf hängen Hosen von den Ohren – ein „Hosenträger“. Ein „Feldstecher“ ist nicht etwa ein Fernglas, sondern jemand, der in die Erde sticht. Und ein Mensch, der seinen Kopf vom Hals genommen hat und ihn nun als Podest benutzt, ist ein „Hochstapler“. Gerhard Gepp nimmt die Titel seiner Bilder – meist als „Schriftbilder“ malerisch integriert – beim Wort. Mit dem Zerlegen von Begriffen in ihre ursprüngliche Bedeutung und die Offenlegung weiterer, verborgener Bedeutungen folgt er einem Prinzip der Poetik. Indem er die verborgenen Bedeutungen aufmalt, nimmt er den unüberlegten Umgang des Menschen mit seiner Sprache aufs Korn, ist also gleichzeitig Satiriker. Gerhard Gepp selbst nennt seine jüngsten Werke daher auch „Poetische Satire“.

Unter diesem Titel zeigt das Olaf-Gulbransson-Museum für Graphik & Karikatur in Tegernsee ab Sonntag, dem 13. März 2005 eine Auswahl der Gemälde von Gerhard Gepp. Der Österreicher, 1940 in Pressbaum bei Wien geboren, hat zwar eine Ausbildung zum Offsetdrucker und Grafikdesigner absolviert, ist aber weitgehend Autodidakt. Neben der Malerei betätigt sich Gepp nun schon seit 30 Jahren als Zeichner für zahlreiche renommierte Zeitungen und Zeitschriften Österreichs, Deutschlands und der Schweiz. Dazu gehören unter anderen Die Presse und Der Standard aus Wien, die Süddeutsche Zeitung und die ZEIT sowie der schweizerische Nebelspalter. Auch als Illustrator, unter anderem von Kinderbüchern, hat Gerhard Gepp sich einen Namen gemacht. Zahlreiche nationale und internationale Preise, wie zum Beispiel der Österreichische Staatspreis für Illustration oder der Swiss Cartoon Award, belegen sein Können.

Mit seinen zum Teil großformatigen Acrylbildern und Druckgrafiken versucht Gerhard Gepp, am Wesen der Dinge zu rühren. Severin Heinisch, künstlerischer Leiter des österreichischen Karikaturmuseums in Krems, erklärt das Verfahren so: „Durch die Verformung von Begriffen und Figuren gerät die eindeutige Zuordnung in Fluss und öffnet sich einer zweiten oder mehreren unterschwelligen Bedeutungen.“ Im Unterschied etwa zur politischen Karikatur aber bleibt bei Gerhard Gepp das Spiel offen. Hier wird keine gesellschaftliche Anklage erhoben, keine Botschaft vermittelt. Wohl aber Irritation, die existenzialistische Züge trägt: Die Arbeiten fordern den Betrachter dazu auf nachzudenken über die Begriffe, mit deren Hilfe er sein menschliches Dasein formuliert, ja überhaupt nur begreifen kann. Warum nennt er einen tragbaren Schutz gegen Nässe, die vom Himmel kommt, einen „Regenschirm“? Das Bild Gepps, auf dem es aus einem Schirm regnet, wirft die Frage auf, wieso wir uns darunter eigentlich vor Regen geschützt fühlen können. Allerdings handelt es sich hierbei noch um eine der harmloseren sprachlichen Oberflächlichkeiten.

Bedenklicher sind großartig klingende Worte, die wir oft nur für Belanglosigkeiten gebrauchen, wie etwa der „Fort-Schritt“ – für Gerhard Gepp eine Bewegung, die ein Bein des Menschen nur deshalb ausführt, weil dieser mit seiner Hand an einer Schnur zieht, die an diesem Bein befestigt ist. Oder eine „Globale Behinderung“, die einen Menschen zeigt, dessen Oberkörper in einem globusförmigen Käfig steckt. Gerade Begriffe mit Pathos fordern Gerhard Gepp zur Reaktion heraus. Seine Darstellung ist dann genau das Gegenteil von pathetisch: Nicht nur beim Wort genommen, sondern nackt und eindeutig.

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Kategorien:
Kunst |  Ausstellungen im Bundesland Bayern | Ort:  Tegernsee |
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