Olaf-Gulbransson-Museum
83684 Tegernsee
Im Kurgarten 5

Honoré Daumier
Von guten Bürgern und Pariser Typen

Laufzeit: 11. Mai 2003 bis 06. Juli 2003

Geizige und zipfelbemützte Junggesellen, dummdreiste Kleinbürger, falsche Menschenfreunde und Väter, die sich mit ihre Albernheiten vor ihren Kindern lächerlich machen: Pariser Bürger des 19. Jahrhunderts, wie Honoré Daumier sie wahrnahm und zeichnete. Seine satirischen Bilder machten Daumier zu einem der berühmtesten französischen Künstler seiner Zeit und zum absoluten Klassiker der Karikatur. Viele seiner Sujets sind zeitlos aktuell, wie zum Beispiel das der stolzen Eltern, die nicht sehen, das ihr mit Preisen überhäufter kleiner Sohn überfordert und unglücklich ist.

Unter dem Titel „Von guten Bürgern und Pariser Typen“ zeigt das Olaf Gulbransson Museum für Graphik & Karikatur Tegernsee nun eine Ausstellung mit achtzig Litographien von Honoré Daumier, die in der Tageszeitung „Le Charivari“ erschienen sind.

Der Künstler Daumier (1808-1879) widmete sich getreu seiner Maxime „Il faut être de sons temps“ (Man muss in seiner Zeit leben) den Gesellschaftsformen seiner Epoche und den Menschentypen, die sie hervorbrachte. In der Phase der frühen Industrialisierung mit all ihren negativen Folgen porträtierte er das facettenreiche Leben in der Großstadt. Als überzeugter Republikaner bekämpfte er sowohl die Herrschaft des „Bürgerkönigs“ Louis Philippe als auch die Wiedereinführung des Kaiserreichs 1852 unter Napoleon III. Aufgrund der repressiven Pressegesetze musste er jedoch oft auf direkt politische Themen verzichten und nahm deshalb vor allem das Milieu der Pariser Bourgeoisie aufs Korn. Diese auch heute noch fast mühelos verständlichen und sehr lustigen Motive bilden den Kern der Ausstellung.

Eine wichtige Bedingung für den Erfolg von Daumiers Bildern war der Boom der Zeitungsillustration im 19. Jahrhundert. Dank der neuen, übrigens in Bayern von Alois Senefelder entwickelten Technik der Litographie konnten Druckvorlagen nun relativ einfach mit Fettstiften auf die dafür am besten geeigneten Schieferplatten aus Solnhofen gezeichnet werden. Diese Vorlagen aus Stein sind unverwüstlich, und es können Abzüge in fast unbegrenzter Zahl erstellt werden. Daumier, der die neue Methode der Druckgraphik zu ihrem ersten großen Höhepunkt brachte, fertigte in seiner Laufbahn rund 4000 Litographien für diverse Pariser Blätter an.

Die bekannteste Publikation, für die er arbeitete, war die vierseitige Tageszeitung „Le Charivari“, deren dritte Seite jeweils aus einer Litographie bestand. Das Wort „charivari“ bedeutet Katzenmusik und spielte auf den Brauch an, unangenehme Reden durch Radaumusik zu stören. Die kritische Zeitung wurde zwar nie dauerhaft verboten, musste sich aber zeitweise ent-politisieren. Mit ihrer gesellschaftlichen Satire versuchte sie aber ihre Leser nicht nur zu erheitern, sondern sie auch durch die satirischen Bilder zu irritieren und ihnen ihre eigene Unvollkommenheit vor Augen zu führen. Manchmal wurde Daumier in „Le Charivari“ aber auch richtig bissig: So übergibt auf einer Illustration der Präsident eines bürgerlichen Wohltätigkeitsvereins einem wohlgenährten Mitglied einen Lorbeerkranz für eine Studie, in der er festgestellt hat, dass die Armen deswegen arm sind, da sie keinen Sou besitzen.

Zur Museumseite: Olaf-Gulbransson-Museum

Kategorien:
Kunst |  Ausstellungen im Bundesland Bayern | Ort:  Tegernsee |
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