Unter einem guten Stern
Chiemgauer und Berchtesgadener Krippen

Laufzeit: 14. Dezember 2008 bis 01. Februar 2009

Seit mehr als 600 Jahren erzählen Krippen die Weihnachtsgeschichte auf eigene Weise. Das Landesmuseum geht dem klösterlichen Ursprung dieses Brauchtums in einer Sonderausstellung auf den Grund.

Die Schau mit dem Titel „Unter einem guten Stern“ zeigt 17 ausgewählte Berchtesgadener und Chiemgauer Krippen aus vier Jahrhunderten sowohl klösterlicher als auch bäuerlicher Herkunft von der Miniatur bis zur Lebensgröße; Krippenfiguren aus Holz, Wachs und Papiermaché; Krippen als Grafik oder Gemälde – darunter traditionelle Darstellungen von Christi Geburt, aber auch ungewöhnliche Szenen wie Das Haus Nazareth oder Der Bethlehemitische Kindermord. Das älteste in Dalheim gezeigte Exemplar stammt aus dem 18. Jahrhundert. „Weihnachtskrippen, wie wir sie heute kennen, sind das Ergebnis einer langen Entwicklung, an der die Ordensgemeinschaften maßgeblich beteiligt waren und deren Verbreitung sie vorantrieben“, erläutert Dr. Martin Kroker, Leiter des LWL-Landesmuseums.

Die Geschichte der Krippe beginnt, sieht man vom Ereignis selbst um das Jahr 0 ab, im 4. Jahrhundert nach Christi Geburt mit der Verehrung der mutmaßlichen Krippe zu Bethlehem. Seit dieser Zeit bildeten zunächst Wandmalereien und Sarkophagschmuck, später Buchmalereien, Bauplastik und Schnitzaltäre die Weihnachtsgeschichte ab. „Im 13. Jahrhundert wurde sie dann lebendig“, zeigt Elisabeth Bömken, Kuratorin der Ausstellung, die Anfänge klösterlicher Krippendarstellungen auf.

Nonnenklöster etablierten vor rund 800 Jahren den Brauch des Christkindwiegens, das Wiegen einer hölzernen Nachbildung des Jesuskinds. Etwa zeitgleich begannen Männer- wie Frauenkonvente, die Weihnachtsgeschichte szenisch nachzuspielen. Vor allem der Franziskanerorden und später im 16. Jahrhundert auch die Jesuiten trieben diese Tradition des Krippenspiels voran. „Erst die Jesuiten sorgten für die weltweite Verbreitung der Krippen. Durch sie und die prachtvollen Krippenspiele schufen sie ein deutliches Gegengewicht zur nüchternen Strenge der Protestanten“, sagt die Kunsthistorikerin Bömken. Ausdrücklich empfahl der Orden den Krippenbau auch in den Privathaushalten – bis die Heilige Familie, begleitet von Hirten, Engeln, Schafen, Ochse und Esel, schließlich auch in den guten Stuben der Gegenwart ankam. Dabei kamen Letztere in der Weihnachtsgeschichte der Evangelisten ursprünglich gar nicht vor. Bömken: „Ochse und Esel, die heute zu jeder traditionellen Krippe gehören, holte erst die Interpretation der Kirchenväter hinzu.“

„Flucht nach Ägypten“ und „Bethlehemitischen Kindermord“
Gezeigt werden in Dalheim nicht nur regional geläufige Krippenabbildungen von der Geburt Christi. Mit der Präsentation ungewöhnlicher Szenen wie der Herbergssuche, Flucht nach Ägypten, dem Bethlehemitischen Kindermord oder einer Wendekrippe, auf deren Rückseite die Passion Jesu zu sehen ist, gewährt die Sonderausstellung des LWL-Landesmuseums für Klosterkultur einen lebendigen Einblick in die Vielfältigkeit und Geschichte eines Brauchtums, das sich bis heute großer Beliebtheit erfreut.

Alle im LWL-Landesmuseum gezeigten Krippen entstammen der Sammlung Rosi Bauer (Siegsdorf). Sie gelangten durch Schenkung in den Besitz der renommierten Sammlerin, die sie zum Teil restaurierte und neu arrangierte.

Kategorien:
Kulturgeschichte |  Ausstellungen im Bundesland Nordrhein-Westfalen | Ort:  Lichtenau-Dalheim |
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