Das bewahrte Bild - Arbeiten auf Papier von Wieland Förster

Laufzeit: 20. Juni 2010 bis 22. August 2010

Wieland Förster ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen, figürlichen Bildhauer Europas. Seinem Gesamtwerk sind jedoch nicht nur die plastischen Werke zugehörig, sondern auch ein umfänglicher Fundus an Malereien, Druckgraphiken, Zeichnungen, schriftstellerischen Zeugnissen wie Prosa, Lyrik und Selbstreflexionen. Die Bautzener Schau ist die erste Exposition, die sich ausschließlich dem zeichnerischen Werk Wieland Försters widmet. In dieser Weise den Bildhauer von einer anderen Seite zu zeigen und so auch neue Blicke auf sein Schöpfertum zu eröffnen, ist das Bautzener Anliegen. Im Schaffen von Wieland Förster entstanden von Anfang an bildhauerische Werke sowie periodisch begleitend Arbeiten auf Papier. Diese widmen sich in zeichnerischen Zyklen und Folgen Landschaften, Bildnissen, vielgestaltigen Darstellungen des menschlichen Körpers und Einzelthemen.

Die Ausstellung gliedert sich in vier Teilbereiche: die frühen Arbeiten bis etwa 1967, Landschaftszeichnungen mit den Zyklen „Tunesien“, „Rügenlandschaften“, „Labyrinth“ und „Étretat“, außerdem frühe Akte und Bildnisse sowie jüngere Arbeiten mit mythologischem Hintergrund von Mitte der 1990er Jahre bis etwa 2001.
Als Begleiter einer Grafikausstellung reist Wieland Förster 1967 nach Tunesien. Die großartige Weite und die gebirgige Landschaft werden zu seinem persönliches „Urerlebnis“. Die Berührung mit der fremden Kultur und der Landschaft gibt den Impuls für die zeichnerische Serie. Zwischen 1967 und 1969 entstehen die Landschaften des „Tunesienzyklus“, nach den Gouachen unmittelbar vor Ort etwa 50 Bleistiftkompositionen. Das elementare Lebensgefühl, die Größe der Natur, die in Tunesien beeindruckten, begegnen Förster 1969 auf der Insel Rügen wieder. Das wird am Zyklus „Rügenlandschaften“ deutlich, der unmittelbar an die Tunesienfolge anschließt und von 1970 bis 1973 entsteht. Mit dem harten Bleistift, seinem bevorzugten Arbeitsinstrument, erschafft Förster Bildzeichnungen mit hoher Transparenz, Feinheit und Helligkeit. Hier setzt er sich mit der romantischen Naturauffassung von Caspar David Friedrich sowie mit den Gesetzen der Zentralperspektive auseinander. Im „Labyrinthzyklus“ (1973 bis 1984) wird die Sächsische Schweiz mit ihren bizarren Felsformen, starken Zerklüftungen und bröckelnden Sandsteinplatten zum Motiv. Die Landschaftszeichnungen zu „Étretat“ entstehen 1989 in dem kleinen nordfranzösischen Seebad in der Region Haute-Normandie, die vor allem durch steile Felsklippen mit faszinierenden Felsformationen bekannt ist.
Akt und Bildnis nehmen einen großen Raum im zeichnerischen Gesamtwerk Wieland Försters ein. In sensibler Auseinandersetzung mit dem Menschen schafft er eindrückliche Körper-Landschaften. Zeichnet die frühen Akte eine realistisch-präzise Genauigkeit aus, so überraschen die Aktdarstellungen ab Mitte der 1990er Jahre, bei denen er zum mehrfarbigen Buntstift greift und eine freiere und von höherer Leichtigkeit getragene impulsive Expressivität erreicht. Es ist ein Gewinn neben dem beeindruckenden und bedeutenden bildhauerischen Oeuvre auf das zeichnerische Werk Wieland Försters zu schauen und es wirken zu lassen. Eigenständig vorgestellt, bereichert es den Blick auf den ganzen Künstler.

Katalog: Das bewahrte Bild - Arbeiten auf Papier von Wieland Förster

Kategorien:
Kunst |  Ausstellungen im Bundesland Sachsen | Ort:  Bautzen |
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