Tänzer.Sein
Körperlichkeit im Tanz.

Laufzeit: 01. Oktober 2010 bis 21. August 2011

Jeder Mensch hat einen Körper - das verbindet uns. Und doch ist der Körper eines Tänzers etwas Besonderes, unterscheidet er sich. Was bestimmt das körperliche Sein des Tänzers? Wie nehmen wir ihn eigentlich wahr? Welche Vielfalt ist in dieser Wahrnehmung enthalten?

Unser Blick auf diesen Körper ist geprägt von dem kulturell erworbenen Verständnis von Tanz als Körperkunst. Und natürlich auch von den medialen Spiegelungen dieser Kunst: in der Photographie, der Literatur, der Bildenden Kunst, im Film. Abseits der Bühne lernen wir in Bild und Wort den Tänzer als Künstler und seinen Körper als Fundament seiner Kunst, als immer perfekt trainiertes Instrument kennen und lieben. Unser Bild vom Tänzer und seinem Körper wird von einem Ideal bestimmt.

Die Entwicklung der Tanzavantgarde der Moderne ist nicht denkbar ohne die fundamentalen Veränderungen des Menschen-/Körperbildes im 20. Jahrhundert. Die Aufbruchsstimmung, die vom Tanz einer Isadora Duncan oder Mary Wigman und der darin proklamierten Befreiung des Körpers im Tanz ausging, trug in sich die Ideologie des neuen Menschen, der sich von gesellschaftlichen und ästhetischen Zwängen befreit und in Kunst und Lebenswirklichkeit der Zukunft entgegen strebt. Der postmoderne Tänzerkörper Ende der 1990er Jahre erscheint dagegen völlig entideologisiert - repräsentiert er doch nur noch eine zeitgenössische Phantasie über den menschlichen Körper, die freilich auch die Möglichkeit seines völligen Verschwindens als mediatisierten Tänzer im virtuellen Datenraum in sich trägt.

Die Ausstellungsinstallation über Aspekte der Körperlichkeit im Tanz will den Besucher auf eine anregende Spurensuche durch das Dickicht der TänzerKörperBilder schicken. Bilder, Texte, Töne gibt sie dabei dem Betrachter an die Hand und animiert ihn, dabei das Gesehene, Erfahrene, Erinnerte immer wieder zu vergleichen und in einen neuen Kontext zu stellen. Eine inszenierte Wunderkammer, gegliedert in fünf Abteilungen, öffnet sich dem Besucher und konfrontiert ihn mit Gegensätzlichem, Vertrautem und Unvertrautem, Bekanntem und Unbekanntem: Graphiken mit Tänzerdarstellungen aus dem 17. , 18. und 19. Jahrhundert finden sich neben zeitgenössischen Tänzerportraits und Körperimpressionen, ein Tanzkostüm von Isadora Duncan trifft auf eine Reflektion einer Bildenden Künstlerin über den abwesenden Körper. Populäre Gymnastikbücher der 1920er Jahre stehen neben Schriften des 16. Jahrhunderts, die den Tanz und jede Körperlichkeit verdammen, Skulpturen von Tänzerinnen aus den 1930er Jahren sind ebenso wie Musikvideos der 1980er Jahre zu sehen.

Die assoziationsreiche Ausstellung des Kuratorenduos Thomas Thorausch und Klaus-Jürgen Sembach fühlt sich in der dialogischen Gegenüberstellung von Exponaten einer Ausstellungstradition verpflichtet, die die Sinne, das Erleben mit Auge und Geist in den Mittelpunkt eines Museumsbesuchs stellt und zu Entdeckungen einlädt. Eine Ausstellung, die aber durchaus auch als Seherlebnis, als Schule der Wahrnehmung konzipiert ist. Freilich ganz und gar nicht wissenschaftlich gedacht und auf eine Überwältigung oder Belehrung des Besuchers aus, sondern der sinnlichen Erkenntnis verpflichtet und für die Augen geschaffen: für Menschen, die mit den Augen denken und mit dem Sehen fühlen.

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