Verstrickungen - Vom alten Handwerk zum Kunstobjekt

Laufzeit: 12. Dezember 2010 bis 29. Mai 2011

Mit dem Bedeutungswandel des Strickens in unserer Gesellschaft beschäftigt sich das LWL-Textilmuseum Bocholt in seiner neuen Schau "Verstrickungen - Vom alten Handwerk zum Kunstobjekt". In Kooperation mit der Hamburger Redakteurin Anne Alter und der Bocholter Wolldesignerin Margarete Dolff werden alte und neue Maschenwaren in Szene gesetzt.

Zu Ursprung und Verbreitung der ersten Maschenwaren gibt es zahlreiche Theorien. "Ausgrabungsfunde lassen vermuten, dass die Wiege des Strickens in Vorderasien liegt, von wo aus es sich über Handelsbeziehungen, Invasoren oder Kreuzfahrer über Spanien und Italien in Europa ausgebreitet haben soll", erklärte LWL-Museumsleiter Dr. Hermann Josef Stenkamp am Freitag bei der Vorstellung der Schau in Bocholt. Doch auch in Nordeuropa bildete sich das Stricken schon früh aus dem Knüpfen und Schlingen von Netzen heraus.

Die Ausstellung verdeutlicht mit historischen und zeitgenössischen Exponaten die Sozialgeschichte dieser Handarbeit. So ist ein ägyptisches Geldsäckchen aus dem 4. Jh. zu sehen, Alltagskleidung der 1930er und 1940er Jahre, alternative Stricknadeln aus dem Krieg, Fischerpullover und ein Strickmantel aus Zeiten der Hippiebewegung. Auch Außergewöhnliches wird gezeigt, wie Miniaturstrickkleidung nach historischen Vorlagen, Ergebnisse modernster Garnveredelung und natürlich zeitgemäßes Strickdesign. Eine Schaustation präsentiert Eindrücke von Straßenstrickkunstwerken und an der Hörstation kommen Strickerinnen persönlich zu Wort.

Präsentiert werden auch Ergebnisse wissenschaftlicher Auswertungen von historischen Autobiographien aus dem 19. Jahrhundert. Sie beleuchten das Thema Stricken im Rückblick. "In der Mädchenerziehung waren Handarbeiten noch bis vor wenigen Jahrzehnten von großer Bedeutung - damit wurden weibliche Tugenden wie Reinlichkeit, Sparsamkeit und leiß vermittelt", weiß Nadine Schober, wissenschaftliche Volontärin am LWL-Textilmuseum. Praktische und nützliche Tätigkeiten sollten der Familie zu Gute kommen. In Not- und Kriegszeiten strickten viele wieder per Hand für ihre Angehörigen. Heute stricken Mann und Frau weniger zur Versorgung, als vielmehr für den kreativen Prozess. Auch die Jugend hat das traditionelle Handwerk für sich entdeckt. Strickevents und gestrickte Straßenkunstwerke nehmen immer größere Ausmaße an.

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