Kunsthalle Bielefeld
33602 Bielefeld
Artur-Ladebeck-Str. 5

Picasso 1905 in Paris

Laufzeit: 25. September 2011 bis 15. November 2012

Vier große Picasso-Ausstellungen seit den 1980er Jahren haben das internationale Renommee der Kunsthalle Bielefeld geschaffen. Als Dauerleihgaben der Staff Stiftung, Lemgo, gelangten Ende der 1990er Jahre wichtige Werke aus dem Jahr 1905 in die Kunsthalle Bielefeld. Dieses Jahr stellt für das frühe Werk Picassos einen wichtigen Wendepunkt dar: Die triste Farbigkeit der Blauen Periode wird von der Leichtigkeit der Rosa Periode abgelöst. Wie sich Picassos Kunst in seiner Pariser Zeit verändert, zeigt die Ausstellung vor allem anhand seiner Beschäftigung mit dem menschlichen Körper und dem Porträt.
Die Metropole Paris wird dabei zu einer wichtigen Inspiration: Der Zirkus, der frühe Film und die zeitgenössische französische Kunst, die ebenfalls zu sehen sein wird, bringen Picasso um 1905 zu einem einzigartigen Bruch mit der Tradition, der zu einer Erneuerung seiner Malerei führt. Die Ausstellung wird großzügig unterstützt durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe.

1905 ist ein Schlüsseljahr für Picasso. In seinem Atelier auf dem Montmartre entstehen nach der melancholischen "Blauen Periode" die helleren, von Gauklern und Zirkusartisten belebten Bilder der "Rosa Periode". Picasso hat sich inzwischen in der Metropole Paris
niedergelassen. Die an der Antike orientierten Gemälde des Franzosen Puvis de Chavannes faszinieren ihn nun mehr als das Werk Henri Toulouse-Lautrecs, seinem Vorbild zur Zeit der ersten Parisreisen. Archaisch wirkende Jünglinge, monumentale Frauenkörper und zunehmend abstrahierte, maskenhafte Gesichter markieren die Entwicklung zu einer neuen Auffassung des Körpers, die 1907 in den berühmten "Demoiselles d’Avignon" kulminiert.
Picassos Freunde und seine Geliebte Fernande Olivier werden in unzähligen Zeichnungen, Bildern und Skulpturen wie auf einer weiten Bühne porträtiert.
Mit über 100 Leihgaben aus internationalen privaten und öffentlichen Sammlungen behandelt die fünfte Bielefelder Picasso-Ausstellung seit 1984 dessen Aufbruch zu einem neuen, modernen Stil. Picassos Arbeit steht im Kontrast zur farbverliebten fauvistischen Kunst, die ebenfalls um 1905 entsteht. Im Vergleich zu Gemälden von Henri Matisse, André Derain und Maurice de Vlaminck, die ebenfalls zu sehen sein werden, wirkt Picassos Werk vor allem klassisch. Seine Bilder sind nicht bunt, sondern zart, still und suchend. Die Ausstellung spiegelt das Lebensgefühl des jungen Genies, dessen künstlerisches Werk um 1905 einen ersten Höhepunkt erfährt. Anhand historischer Fotografien, Plakate und Dokumente
wird ein authentisches Bild vom Leben Picassos auf dem Montmartre vermittelt.
Kurator dieser Ausstellung ist Thomas Kellein, der 14 Jahre die Kunsthalle Bielefeld leitete und im Januar zur Chinati-Stiftung nach Texas wechselte. Mit der großen Picasso-Schau knüpft er an die Arbeit seines Vorgängers Ulrich Weisner († 1994) an, der in den Jahren 1984, 1988, 1991 und 1993 vier international beachtete Picasso-Ausstellungen in Bielefeld ausrichtete. Mit dem Thema Picasso im Jahr 1905 wird ein Aspekt herausgegriffen, der in dieser Form bisher wenig bearbeitet wurde. Obgleich nahezu zeitgleich eine Ausstellung in Amsterdam und anschließend in Barcelona Picasso-Werke aus den Jahren 1900 bis 1907 zeigt, wird die Bielefelder Schau mit ihren Querverbindungen zwischen den Künstlern und ihren Medien eine bisher weniger wahrgenommene Seite Picassos beleuchten.

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