Chris Durham. Belfast

Laufzeit: 21. Januar 2011 bis 27. März 2011

Die Bildreihe Belfast steht exemplarisch für das photographische Schaffen des 1964 in London geborenen Künstlers Chris Durham. Seit Beginn seiner künstlerischen Arbeit im Jahr 1994 verbindet sich sein photographisches Tun mit genau geplanten Reiserouten und Wanderungen, wobei er sich vor allem mit dem Thema der Stadtlandschaft und der natürlichen Landschaft auseinander setzt. So hat er verschiedene Länder wie insbesondere Belgien, Deutschland, England, Frankreich, Zypern oder wie im gegebenen Fall Nordirland bereist und hinsichtlich seiner Werkgruppen topographisch relevante Aspekte herausgegriffen. In den letzten Jahren richtet sich sein Interesse bevorzugt auf Gebiete, deren Geschichte gravierend durch politische Konflikte und Grenzverläufe gekennzeichnet ist und deren Auswirkungen sich verschieden stark im Lebensumfeld niederschlagen.

Aufmerksamkeit erzielen die Wandgemälde vor allem durch ihre Größe und expressive Farbigkeit in den vielfach eintönigen, grauen Wohnvierteln. Dieses Moment scheinen Durhams Photographien nochmals mehr zu unterstreichen. Bei bedecktem Tageslicht aufgenommen, gewinnen die Farben seiner Bilder an Leuchtkraft und treten besonders deutlich hervor. Mit seinen Aufnahmen nimmt er jedoch für keine der in seinen Ansichten angesprochenen Gruppen Partei, vielmehr registriert er die angetroffenen Situationen in aller Sachlichkeit und betrachtet die "murals" in Nachbarschaft anderer im Stadtbild vorkommender Phänomene, wie parkenden Autos, Geschäften oder kommerziellen Werbetafeln, die mit wiederum andersartig konnotierten Bild- und Schriftzeichen ausgestattet sind. Die zu den New Topographics gehörenden photographischen Positionen können durchaus zu Durhams Vorbildern gezählt werden, er übernimmt ihre dokumentarisch deskriptive Methode und transferiert diese in einen europäischen, stark politisch geladenen Kontext. Ohne dass die Bevölkerung konkret im Bild vorkommt, fordern seine in stiller Atmosphäre aufgenommenen Bilder dazu auf, über die spezifischen Lebensverhältnisse und ihre Ursprünge zu reflektieren. So erschreckend selbstverständlich sich die teilweise geradezu martialischen Wandgemälde in das städtische Gesamtbild einfügen, so nah wird der Konflikt als substantieller Teil der komplexen Geschichte Nordirlands in Chris Durhams Bildreihe Belfast vor Augen geführt - ein hohes Aggressionspotential, das unübersehbar zum europäischen Alltag des 21. Jahrhunderts gehört.

Chris Durham wohnt und arbeitet in Düsseldorf. Zwischen 1994 und 2002 hat er an der Kunstakademie in Düsseldorf bei Bernd Becher und Thomas Ruff studiert und als Meisterschüler abgeschlossen. 2002 erhielt er vom Deutschen Forum für Kunstgeschichte ein Auslandsstipendium nach Paris und 2003 den Förderpreis für Dokumentarfotografie der Wüstenrot Stiftung. Seit 2002 arbeitet er als Assistent am Werk von Bernd und Hilla Becher und 2006 - 2007 war er als Lehrbeauftragter an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe tätig. Sein Werk war in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten, darunter 2010 ebenso mit einer Auswahl aus der Reihe Belfast in der Präsentation "Der Westen leuchtet" im Kunstmuseum Bonn, die nun aktuell noch einmal um mehrere Arbeiten ergänzt und im Pendant mit der Ausstellung New Topographics vorgestellt wird.

Kategorien:
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