Emschertal-Museum Herne
44629 Herne
Schloß Strünkede; Karl-Brandt-Weg 5

An der 'Heimatfront‘ - Westfalen und Lippe im Ersten Weltkrieg

Laufzeit: 12. Dezember 2014 bis 08. Februar 2015

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die katastrophale Versorgungslage an der 'Heimatfront‘. Sie wurde mit jedem Kriegsjahr schlechter und erreichte im berüchtigten "Steckrübenwinter" 1916/17 einen Höhepunkt. Tausende fielen Hunger, Kälte und Krankheiten zum Opfer. Notgeld aus ver-schiedenen Städten, Fotos von Kriegsküchen, Marken für rationierte Lebensmittel, neue Maßgefäße, die auf die winzigen "Kriegsrationen" zugeschnitten waren, geben einen Einblick in den Kampf ums tägliche Überleben. Auch die veränderten Familienstrukturen hatten weitreichende Folgen und bilden einen Schwerpunkt der Schau. Millionen Frauen zogen ihre Kinder allein auf. Viele Heranwachsende waren Halbwaisen, Zeitgenossen beklagten ihre Verwahrlosung.

Ebenso war Berufstätigkeit der Mütter an typischen Männerarbeitsplätzen in Industrie und Verkehr ein gesellschaftliches Novum. Fotos von Frauen im Bergbau - ein absoluter Tabubruch - beim Eisenbahnbau, in Straßenbahnen oder Laboren belegen die angespannte Situation in der Wirtschaft, die stetig Nachschub für die Front liefern musste.
Zeitgleich lastete auf den Frauen der Druck zur freiwilligen "Liebestätigkeit" in karitativen Organisationen, um Hungernde und invalide Soldaten zu versorgen. Herausragende Beispiele bürgerlicher "Opferbereitschaft" zur Finanzierung solcher Kriegsfolgen sind Nagelschilde aus verschiedenen Kommunen: Ein vorgezeichnetes patriotisches Bildmotiv setzte sich zusammen aus zahlreichen eng eingeschlagenen Nägeln, für die man je Nagel eine festgelegte Spende zahlte. Gezeigt wird ein farbiges Nagelschild aus Lohe bei Bad Oeynhausen und Nagelkarten aus Wanne und Hagen. In der Ausstellung ist Gipsmodell zu sehen, ein Vorentwurf der hölzernen Nagelskulptur des "Nagelgrafen" aus Hamm von 1915/16. Auch Notenblätter, Broschüren, Fotos und Programme, mit denen die Enthüllung solcher Nagelschilde feierlich begangen wurde, bereichern die Schau. Schließlich ist auch die Fürsorge für invalide "Krieger" ein wichtiges Thema. Präsentiert werden Verhaltensregeln für den Umgang mit den "Kriegsbeschädigten", Spielzeug für die vielen Blinden, neuartige Prothesen und öffentliche Kennzeichen der Verwundeten.

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Kategorien:
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