David Rauer und Joshua Sassmannhausen: Installation „Forma Forma“

Laufzeit: 17. Juli 2016 bis 30. Oktober 2016

„Forma Forma“, ist der Titel einer begehbaren Installation von enormen Ausmaßen: Die beiden Künstler David Rauer und Joshua Sassmannshausen haben für die Kunsthalle Osnabrück ein Raumlabyrinth mit einer Lauflänge von 130 Meter entwickelt, das dem Besucher ein hohes Maß an Orientierungsvermögen abverlangt – vorausgesetzt, er will das begehbare Kunstwerk für sich allein oder auch gemeinsam mit anderen abschreiten und bei der Eröffnung am Sonntag, den 17. Juli (ab 11 Uhr) begehen.

„Begehbarkeit, das sagt sich so leicht, ist aber gar nicht so selbstverständlich.“, erklärt die Direktorin der Kunsthalle Osnabrück, Dr. Julia Draganović. „Denn an das Gehen ist man als Ausstellungsbesucher schließlich gewöhnt. Das Abschreiten eines Kirchenraum als Nachvollzug des Leidenswegs Christi verbindet sich mit Kontemplation und Reflexion.“, so die Kunsthallendirektorin. „Die Kreuzgänge der mittelalterlichen Klöster können daher auch als Vorläufer musealer Präsentationsräume begriffen werden. Die Empathie mit der Christusfigur und der Nachvollzug der christlichen Botschaft in Verbindung mit dem wahrnehmenden Auge waren dabei stets die wichtigsten Sinnesorgane.“

Alles änderte sich im 20. Jahrhundert mit den ersten Installationen, dem Minimalismus und der Konzeptkunst, führt Julia Draganović weiter aus: Künstler unternahmen Eingriffe, um dem Betrachter den eigenen Körper bewusst zu machen. Plötzlich musste man, um ein Kunstwerk rezipieren zu können, sitzen, liegen, gehen, klettern oder gar kriechen oder war womöglich ganz vom Kunstwerk umgeben, wie nun auch in der Osnabrücker Kunsthalle. Plötzlich durfte man gar die Kunstwerke berühren, riechen oder geradezu in sie eintauchen und war ganz und gar von ihnen umgeben. Der Merzbau von Kurt Schwitters (1923), Bruce Naumanns Live/Taped Video Corridor (1970), Gregor Schneiders Totes Haus u r (ab 1985) und Tino Segals Performance This Progress (2010) sind wichtige Referenzpunkte dieses veränderten Verhältnisses von Performance und Installation, Bewegung des Betrachters im Raum, Gehen als künstlerische Aktion und Empathie.

Bereits im Juni 2014 waren David Rauer und Joshua Sassmannhausen im Rahmen der Aktion 24/7 zu Gast in der Kunsthalle Osnabrück und haben für 24 Stunden einen begehbaren "Catwalk" mit zahlreichen technischen Schaltungen geschaffen. „Mit Forma Forma liefern die Künstler nun eine großartige Architektur in der Architektur, die es in Osnabrück in dieser Form noch nicht gab.“, so die Direktorin.

Die raumfüllende Installation Forma Forma von David Rauer und Joshua Sassmannshausen in Osnabrück schafft dabei auch vorsichtige Anklänge an die Geschichte des ehemaligen Dominikanerklosters: Nach 1945 war das säkularisierte Kloster Zufluchtsstätte für Flüchtlinge, die ihre Heimat aufgegeben hatten. Auf drei Ebenen (!) mit zwei eingezogenen Zwischendecken hatte man derzeit Zufluchtsorte im Kirchenschiff geschaffen.

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