Lust auf Leben! Fotos von Johannes Weber aus seinem Dorf, 1946-1955

Laufzeit: 02. Juli 2017 bis 07. Oktober 2018

In über 6.000 Fotografien hielt der Amateurfotograf Johannes Weber zwischen 1946 und 1955 mit seiner Leica-Kleinbildkamera das Leben im münsterländischen Nottuln fest. Für die Ausstellung wählte das LWL-Medienzentrum 80 aussagekräftige Fotografien der Sammlung Weber aus. Sie erzählen von einer vergessenen Welt, die bis vor einem halben Jahrhundert in vielen Dörfern und Kleinstädten Westfalens Alltag war, und zeugen von der "Lust auf Leben!" in der entbehrungsreichen Nachkriegszeit. Die Fotografien werden gemeinsam mit historischen Strickmaschinen präsentiert, denn Weber war auch "Haus- und Hoffotograf" seines Arbeitgebers, des Stumpfherstellers Gebr. Rhode. "Diese Verbindung haben das LWL-Medienzentrum und das LWL-Textilwerk auf die Idee eines gemeinsamen Projektes gebracht. Ich freue mich sehr, dass neben dem Buch eine eindrucksvolle Ausstellung entstanden ist, die an keinem passenderen Ort hätte gezeigt werden können", betonte Rüschoff-Parzinger.

Ursprünglich bei der Hamburger Nordwolle beschäftigt, war Weber im Winter 1945/46 an den Sitz seines neuen Arbeitgebers, der Strickerei Gebr. Rhode, nach Nottuln gezogen. Als versierter Amateurfotograf aus der Großstadt fotografierte er die Menschen im Dorf bei besonderen Anlässen. Schützenfeste, Prozessionen, Hochzeiten, Kommunion, Glockenweihe und Grundsteinlegung bilden meist den Rahmen seiner Aufnahmeserien.

Seine Fotografien zeigen aber auch die Entwicklung des Strumpfherstellers Rhode, des damals einzigen Industriebetriebes vor Ort, sowie die herausgehobene Position der Fabrikantenfamilie. "Der Spannungsbogen zwischen dem Alltag der Unternehmer und dem münsterländischen Dorfleben macht einen großen Reiz der Weberschen Fotografien aus", findet Museumsleiter Dr. Hermann Josef Stenkamp. Eine fototechnische Besonderheit der Sammlung sind stereoskopische 3D-Fotografien vom Dorfbild Nottulns, die Weber ebenfalls mit seiner Leica aufnahm. Eine Rarität auch seine frühen Schützenfestfotografien, die noch unter alliiertem Waffenverbot entstanden und die Schützen zunächst nur mit Holzknüppeln bewaffnet, später mit der Armbrust, zeigen.

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