zee.3.7.1 - Typografie in Chemnitz seit 1466

Laufzeit: 19. Juni 2018 bis 16. September 2018

Die frühesten Zeugnisse kalligrafischer und typografischer Kultur in Chemnitz stammen aus der Benediktiner Klosterbibliothek. Die Ausstellung zeigt eine Entwicklung von den strenger werdenden handschriftlichen Buchkopien über die ersten im Blockbuchformat bzw. mit beweglichen Lettern gesetzten Werke. Mit der Möglichkeit des Buchdrucks entstanden neue Fragen zur Auswahl von Schrifttypen, Schriftschnitten und Akzidentien. Prägnantestes Beispiel einer weit verbreiteten, auch in den Chemnitzer Dokumenten sich spiegelnden Diskussion ist die mit härtesten ideologischen Bandagen geführte, Jahrhunderte währende Diskussion um die richtige "deutsche" Schrift.

Gab es in den Anfängen ganz einfache Verwendungskriterien, wurde ihr Einsatz mit der Reformation ideologisch geprägt und spätestens seit dem 19. Jahrhundert eher vom eigenen Nationalbewusstsein bestimmt. "Deutsche Bücher in lateinischen Buchstaben lese ich nicht!" (Bismarck) In Reaktion auf die angestrebte typografische Weltherrschaft der Nazis endete diese Diskussion 1945 schlagartig. Das hat zu einer heute weitgehend ideologiefreien, das gesamte formale Repertoire der Typografiegeschichte nutzenden internationalen Entwicklung beigetragen.

Die Ausstellung zeigt Dokumente Chemnitzer Typografieleistungen aus allen Epochen und die Stadt auf der Höhe der jeweiligen Zeit und ihrer Diskussionen. Einen Großteil der Objekte bilden die zahlreichen Inkunabeln und Drucke der Stadtbibliothek. Mit dem Kalligrafen und Typografen Heinz Schumann hat die Stadt einen in den eigenen Mauern wenig bekannten, international aber hochgeschätzten Schriftkünstler in ihren Reihen. Das Werk des heute 85jährigen, das auch das Chemnitzer Schriftbild maßgeblich mitprägte (Schriftwand hinterm Marx-Kopf, Erscheinungsbild der Freien Presse von den 60er bis zu den 80er Jahren, zahlreiche Logoentwicklungen u.a.), bildet einen Schwerpunkt der Ausstellung. Weitere Anwendungsbereiche von Satzschrift (=Typografie) in der Werbung, in der Sepulchralkultur der Steinmetze, der Entwicklung von Corporate Designs und in der freien Kunst werden anhand einschlägiger Beispiele aus der Stadt vorgestellt. Die Werkzeuge der Typografen und ihre Auswirkungen auf die Schriftform werden vorgestellt. Auch die DDR kannte sogenannte Rubbelbuchstaben. Sie wurden von der Firma Friedrich in Chemnitz patentiert und produziert unter dem Namen typoplex, später bekannt unter typofix.

Neben den Objekten gibt die Ausstellung einen ausführlichen, reich bebilderten Einblick in die Typografiegeschichte. Der Besucher kann anhand zahlreicher eingebauter Tests und Spiele seinen typografischen Blick für Feinheiten und Details schärfen. Qualitäten zu erkennen und in einfachsten Anwendungen selbst einzusetzen, ist das Ziel einer Werkstatt für jede und jeden, jeden Alters.

Kategorien:
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