Domäne Dahlem Landgut und Museum
14195 Berlin
Königin-Luise-Str. 49

Stirnbrettchen von Bienenstöcken des 18. und 19. Jahrhunderts

Laufzeit: 31. Mai 2000 bis 08. Oktober 2000

Ca. 140 prachtvoll bemalte Stirnbrettchen von Bienenstöcken des 18. und 19.
Jahrhunderts aus dem slowenischen Imkermuseum Radovlijca. Die
einfallreichen Motive mit humoristischem oder auch satirischem Einschlag
verblüffen durch ihren farbenfrohen Charakter; zugleich wird u.a.
aufschlußreicher Einblick in Volkstrachten und religiöse Symbolik gegeben.

Slowenien ist immer noch ein touristischer Geheimtipp. Aber auch
diejenigen, welche dort waren, erfahren wenig über die slowenische Imkerei,
die doch im 18. und 19. Jahrhundert ein wichtiger landwirtschaftlicher
Erwerbszweit war. Die im slowenischen Imkermuseum Radovlijca erarbeitete
Sonderausstellung gibt Zeugnis davon, dass die einstmal florierende Imkerei
auch auf dem Gebiet der bildenden Kunst einige reiche Früchte
hervorbrachte: Zum einen stroh- oder schindelgedeckte Bienenhäuser, die
sich mit ihrer typischen Architektur malerisch in die Landschaft einfügten;
zum anderen bemalte Bienenstockstirnbretter. Die auf der Vorderseite der
Bienenstockkästen angebrachten, meist aus Fichtenholz hergestellten und mit
selbst zubereiteten Erdfarben - oft auch mit Hilfe von Papierschablonen -
bemalten Stirnbretter verschmolzen im Auge des Betrachters zu einem
farbenfrohen Bilderbuch, das uns außer der Liebe der Imker zu ihren
nützlichen Insekten eine bilderreiche Gestimmtheit der Bewohner der
slowenischen Alpen zeigt.

Das älteste erhaltene Stirnbrett - leider wurde die Einmaligkeit dieser
Volkskunst lange Zeit nicht erkannt, weshalb die Brettchen in großer Zahl
verfielen oder verschwanden - trägt die Jahreszahl 1758 und stellt
wahrscheinlich ein Marienbild in der ehemaligen Wallfahrtskirche Ljubno in
Gorenskaja dar. Die meisten bemalten Stirnbrettchen entstanden in Gorenska
(Oberkrain), in Koroska und im Savinjatal. Bald breitete sich die
Bienenstockbemnalung im übrigen Slowenien aus, jedenfalls dorthin, wo nicht
in Strohkörben, sondern in kastenförmigen Holzstöcken geimkert wurde. VOn
der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zum Ende des 1. Weltkrieges, als die
Bemalung der Bienenstockbrettchen aufhörte, entstanden mehr als 2000
Exemplare mit über 600 verschiedenen Motiven. Die größte Entfaltung hatte
diese Kunst zwischen 1820 bis 1880, als in großer Zahl vor allem
einfallsreiche Szenen mit humoristischem oder auch satirischem Einschlag
entstanden, wie z.B. die Titel "Armer Handwerker", "Männliche und weibliche
Fehler" oder "Schelte auf die Jäger" verraten.

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