Ludwig Museum im Deutschherrenhaus
56068 Koblenz
Danziger Freiheit 1

CLAUDE VIALLAT - DER STOFF DER MALEREI

Laufzeit: 26. Januar 2014 bis 16. März 2014

Claude Viallat lebt und arbeitet in Nîmes, im Süden Frankreich, wo er 1936 geboren wurde. Er ist Mitbegründer der Künstlergruppe Support/Surface (zu dt. Träger/Oberfläche), die sich gegen 1966 formierte.
Seit 1966 prägen Viallats Werke eine einzige, amorphe Form, die er auf unterschiedliche Trägerstoffe appliziert.
Nachdem er seine Jugend in Aubais verbracht hat, studierte Claude Viallat von 1955 bis 1959 an der École des Beaux-Arts in Montpellier; nach seinem Militärdienst setzte er sein Studium an der École des Beaux-Arts in Paris fort. Er entdeckt die Abstraktion und realisiert biomorphe Malereien. Ab 1966 entwickelt er eine kritische Analyse des traditionellen Bildes, realisiert seine ersten Leinwände ohne straffende Keilrahmen und malt auf dem Boden, ähnlich wie Jackson Pollock. Parallel dazu erscheint seine berühmte anthropomorphe Form, die an einen Schwamm oder an eine überdimensional große Bohne erinnert.

Diese trägt er in ständiger Wiederholung und in nahezu identischer Form auf unterschiedlichste Stoffe. Je nach Technik und Träger ist sie mehr oder weniger klar konturiert und der Farbton mehr oder weniger intensiv. Als Untergrund verwendet Viallat z.T. neutrale Träger wie nicht bespannte, neue Leinwände, aber auch solche mit reichem Vorleben, wie gebrauchte Laken, Vorhänge, Decken, Militärplanen etc.).

Die Radikalität des von Claude Viallats geschaffenen Systems ist einer Epoche von Protest zuzuschreiben, in der eine radikale Kritik an der lyrischen und geometrischen Abstraktion verübt wird. Die Künstler der sogenannten Support-Surface Bewegung behandeln die Malerei nicht mehr als konventionelles Medium, sondern zeigen sie einzig und allein in ihrer realen Materialität. Es geht ihnen um die Dekonstruktion des Gemäldes in seine einzelnen Materialien; um stattdessen, die Malerei per se aufzuzeigen. Viallats Form selbst ist nicht Bild oder soll kein Bild erschaffen. Es ist ihre fast identische Wiederholung und ihre ständige Interaktion mit dem Träger, die den künstlerischen Prozess definiert. Viallat erzeugt eine komplexe, schwebende Verbindung von einzelnen Elementen und räumlichen Bezügen. Materialien, wie bereits bedruckte Stoffe und Militärzelte, auf die Viallat seine Form appliziert, verstärken diese Herausforderung des Sehens.


Das große Talent Claude Viallats ist präsent in dem Ausdruck der Farben und des Lichts. Viallat verwendet Farben wie die großen Koloristen der abendländischen Malerei. Bereits 1972, als er auf einer Amerikareise die indische Kunst für sich entdeckt, ändert er sein Konzept hin zu mehr Ursprünglichkeit. Er verwendet fortan Markisen, Rollos, Sonnensegel, Jalousien, Sonnenschirme, Zelte – Träger, die häufig ein großes Format bedingen.
Das System wird komplexer, es entstehen Zwischenformen. Er verwendet beschädigte Träger und solche mit dekorativen Mustern. Die Untergründe mit ihren Motiven treten in Konkurrenz zur Form, es entsteht eine Art dekorative Überbelastung. Ohne jemals das gründende Prozedere infrage zu stellen, arbeitet Viallat seit nun mehr als 40 Jahren mit seinem System der Form, (auch „forme-viallat“ genannt).

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