Garten=Theater – Pflanzen in Shakespeares Welt

Laufzeit: 11. Juni 2016 bis 28. August 2016

Anlässlich des 400. Todestags von William Shakespeare stehen Pflanzen im Mittelpunkt, die mit Leben und Werk des bedeutendsten Dramatikers unseres Kulturkreises verknüpft sind. Die Ausstellung "Garten=Theater – Pflanzen in Shakespeares Welt" wird zur bundesweiten Woche der Botanischen Gärten in mehreren Botanischen Gärten Deutschlands parallel gezeigt. Vom 11. Juni bis 28. August 2016 ist sie im Botanischen Garten Berlin zu sehen. Viele der in der Open-Air-Posterausstellung erwähnten Pflanzen sind auch im sommerlichen Botanischen Garten lebendig zu entdecken.

120 Pflanzarten: heimisch, kultiviert und exotisch

William Shakespeare (1564-1616) war zwar botanischer Laie, kannte sich jedoch erstaunlich gut mit Pflanzen aus. Er erwähnt in seinen Stücken etwa 120 Pflanzenarten. Als Grund- und Gartenbesitzer war der Dichter mit Nutzpflanzen und Unkräutern in Land-, Garten- und Obstbau eng vertraut. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um damals in England heimische oder in Gärten kultivierte Arten. Einige wenige „Neuheiten“, importiert vor allem durch wohlhabende Händler und Pflanzenfreunde über Konstantinopel aus Kleinasien, kommen dazu. Das botanische Wissen dieser Zeit wurde 1597 von John Gerard in einem umfangreichen „Kräuterbuch“ (The Herball or Generall Historie of Plants) zusammengefasst. Vieles spricht dafür, dass sich Shakespeare und John Gerard persönlich kannten und dass der Barde dieses „Herball“ mit seinen über 1400 Seiten besaß und benutzte.
Das Pflanzenwissen der Theatergänger

Offenbar kannten sich Shakespeare und seine Zuhörer mit Pflanzen bemerkenswert gut aus. Sonst wäre seine oft sehr gezielt und pointiert eingesetzte Verwendung von Pflanzen und gärtnerischen Details schlichtweg ins Leere gegangen. Shakespeare „dekoriert“ die fast leere Bühne seiner Zeit in den Köpfen seines Publikums mit imaginären Pflanzen, er illustriert Dynastisches an Hand des Baumschnitts und gestaltet mit pflanzlichen Objekten seine überbordenden, oft zotigen Wortspiele bildreich aus.



Symbolische Pflanzenverwendung

In der Regel werden die Pflanzen in Shakespeares Werken nicht beiläufig-dekorativ, sondern ganz gezielt eingesetzt: Als „Wortkulissen“ rufen sie beim Publikum im elisabethanischen Theater ganz bestimmte Bilder von Szenerien und Landschaften hervor. Der „Feenhügel“ im „Sommernachtstraum“ mit seinem duftenden Geißblatt, den Veilchen und dem Quendel ist geradezu sprichwörtlich geworden.

Oft spielen Gift- oder Heilpflanzen wie Bilsenkraut, Alraune und Schlafmohn ihre Rolle als konkrete Objekte im Handlungsgefüge. Auch Hamlets Vater starb durch ein Gewächs. Nicht alle durch Pflanzen vermittelte Botschaften sind uns heute noch verständlich, doch die Symbolik vieler Bilder ist bis in unsere Tage nachvollziehbar. Hierzu zählen die „Lilie“ (gemeint ist hier zum Teil die Iris als Symbol des französischen Königshauses) oder die Rosen (man denke an die „Rosenkriege“ genannten Bürgerkriege der Zeit um 1480, die Shakespeare in den insgesamt zehn Historiendramen untersucht und darstellt). Aber auch sensationelle Neuheiten in den englischen Gärten wie Schachbrettblume oder wie die Kaiserkrone finden Erwähnung.

Die Ausstellung zur „Woche der Botanischen Gärten“ im Shakespeare-Jahr 2016 vermittelt mit ihrem Motto zwischen Botanik, Theater und Kunst. Sie will zur Reflexion über unser historisches und heutiges Verhältnis zur Pflanzenwelt einladen. Autor der Ausstellung und des zugehörigen Katalogs ist der Direktor des Botanischen Gartens der TU Darmstadt PD Dr. Stefan Schneckenburger.

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