Edith-Russ-Haus für Medienkunst
26121 Oldenburg
Katharinenstraße 23

Shirin Sabahi: Borrowed Scenery

Laufzeit: 05. Juli 0128 bis 30. September 2018

Das Edith-Russ-Haus für Medienkunst zeigt ab dem 5. Juli die Soloausstellung „Borrowed Scenery“ der iranischen Künstlerin Shirin Sabahi. Sabahis Kunstwerke gehen von realen Räumen aus, die zum Gegenstand erfundener oder wahrer Geschichten werden. Sie beschäftigen sich mit der Beziehung zwischen fest verorteten, gebauten Räumen und deren Bildern sowie anderen, beweglichen Spuren und Überresten.

Ein derartiger Raum ist Thema der zentralen Filme in der Ausstellung. „Pools oder Becken sind für Shirin Sabahi immer wieder Orte der Faszination: etwa die Skulptur ‚Matter and Mind‘ im Teheraner Museum für zeitgenössische Kunst, die aus einem mit Öl gefüllten Becken besteht. Dieser Ort ist Ausgangspunkt für Sabahis Filme ‚Borrowed Scenery‘ und ‚Mouthful‘“, sagt Edit Molnár, Co-Leiterin des Edith-Russ-Hauses. Die spiegelnde Oberfläche des Ölbeckens wiederum inspiriert die Intervention mit den Oberflächen des Ausstellungsraums. Mit dem Architekten Jan Parth hatte Sabahi überlegt, wie ihre früheren Arbeiten einen passenden Ort im Edith-Russ-Haus finden könnten. „Indem der Ausstellungsraum durch spiegelnde Oberflächen erweitert wird, spielt die Ausstellung auf die Grenzen solcher Räume an. Zugleich stellen die Oberflächen der Kunstwerke Spiegelbilder unserer selbst dar“, sagt Co-Leiter Marcel Schwierin.

Das historische Werk „Matter and Mind“ (1977) des japanischen Künstlers Noriyuki Haraguchi besteht aus einem mit gebrauchtem Motoröl gefüllten Stahlbecken, permanent installiert im Teheraner Museum für zeitgenössische Kunst. Im Laufe der Zeit wurde das Becken zu einem Wunschbrunnen wider Willen, vandalisiert von hingerissenen Museumsbesuchern, die Münzen und andere Dinge in ihn hineinwerfen. Dieses Kunstwerk steht im Mittelpunkt des Films „Borrowed Scenery“ (2017). Ermöglicht durch Sabahis Filmproduktion, konnte Haraguchi nach Teheran zurückkehren, um die Restaurierung seines Kunstwerks zu leiten. Der dabei entstandene Film „Mouthful“ (2018) ist gleichzeitig Mittel und Ziel dieses Projekts. Durch die Fokussierung auf Herkunft und Standort von „Matter and Mind“ zeigt Sabahi, wie sich eine künstlerische Recherche mit dem Werk eines anderen Künstlers auseinandersetzen kann. Das Projekt thematisiert zugleich die Institutionsgeschichte eines Landes, den sinnlichen Aspekt der Erinnerung sowie den Internationalismus, der bereits vor den aktuellen Bedingungen der Globalisierung existierte.

Sabahis „Mouthful“ spielt sowohl mit den Widersprüchen und Möglichkeiten der Kunstproduktion selbst als auch mit dem Material innewohnenden Widersprüchen: Der Inhalt des zentralen Ölbeckens ist ein verdichtetes Zeichen des Lebens auf diesem Planeten. Produkte aus Erdöl stehen für Fortschritt und Wohlstand, aber auch für Verschmutzung. Motoröl hat die Farbe durchsichtigen Bernsteins, wandelt sich durch die Ansammlung von Ruß, Abrieb und anderen Schadstoffen aber in opakes Schwarz. Dennoch erzeugt gebrauchtes Motoröl glasklare Spiegelbilder – eine Eigenschaft, die in den spiegelnden Oberflächen der Ausstellungsräume aufgegriffen wird.

Kategorien:
Kunst | Zeitgenössische Kunst | 21. Jahrhundert |  Ausstellungen im Bundesland Niedersachsen | Ort:  Oldenburg |
Vergangene Ausstellungen
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