Nassauischer Kunstverein
65185 Wiesbaden
Wilhelmstraße 15

Laura Kuch / Mach dass alles gut wird

Laufzeit: 23. September 2007 bis 22. Juni 2008

Eröffnung Samstag, 22. September 2007, 17 bis 20 Uhr
Kuratorin: Katharina Klara Jung

„Niemals“ spricht eine Stimme aus einem Lautsprecher hinter dem Türrahmen, sobald man den Raum betritt. Unvermittelt dringt das Wort in unser Ohr - und weiter. „Niemals“ heißt niemals erleiden, niemals geschehen, aber auch niemals erreichen und niemals erfahren. „Niemals“ ist Endlichkeit und Unendlichkeit zugleich. Nur ein Wort. Niemals.

Aus der Tapete geschnitten, wie ein Relikt, Zeuge eines tief empfundenen Verlangens, das gleichzeitig von Ohnmacht erzählt, steht da „Mach dass alles gut wird“. Die Worte sind mit einem Messer in das Material geschnitten – vielleicht aus Langeweile? Aus Verzweiflung? Weil man mit dem Rücken an der Wand steht und keinen Ausweg mehr sieht? Vielleicht weil sich die eigene Energie erschöpft hat und man vor dem Leben kapituliert – aber es ist nicht ein verzweifeltes Gekrakel, das da in das Tapetenstück geritzt ist. Der arabeske Anfangsbuchstabe erinnert an Märchenbücher, an Sagen und Geschichten, bei denen die Guten glücklich und zufrieden lebten, und wenn sie nicht gestorben sind… ist also doch nur alles Ironie? Auf wessen Schultern wird diese Aufgabe abgeladen? Als Betrachter wird man passiver Mitflehender, der ebenfalls da steht, hoffnungs- und vielleicht antriebslos Worte in die Tapete ritzt, oder fühlt sich als diese unbestimmte Person oder Macht angesprochen, stellt sich dem viel gehegten Wunsch, der im realen Leben immer unerfüllt bleibt und bleiben muss – und weiß, dass man scheitert. (Als das Wünschen noch geholfen hat, 2007).



Diese Sehnsucht nach dem Happy End ist in Laura Kuchs Arbeiten eingeschrieben. Während die Soundinstallation „Tell me tell me (don’t tell me)“ (2005) mit der geloopten Textzeile „today everything you want I swear it all will come true“ (Ich schwöre dass heute alles was Du Dir gewünscht hast in Erfüllung geht) aus einem alten Song der Hippie-Band Jefferson Airplane ein Versprechen gibt, das für ewig unerfüllt bleibt, zitiert die Promises Serie (2006/07) bekannte Lieder, die alle einen Teil dieses höchsten Glücks versprechen. “I will light your way for all time, promise you” (Ich werde Dir für alle Zeit den Weg leuchten, ich verspreche es Dir; Monica), „I won‘t let no harm come your way” (Ich werde Dir nie etwas zustoßen lassen; Tata Young), „I’ll never break your heart“ (Ich werde Dir nie das Herz brechen; Backstreet Boys) – zu oft gehörte Titel und Versprechen, die Laura Kuch als Vertrag aufsetzt, sie selbst datiert und unterzeichnet: „Natürlich könnte ich die Versprechungen, die ich hier gebe, wohl nie ganz erfüllen – so wie ein (Liebes-)Lied, das sich manchmal anfühlt wie ein Versprechen und doch niemals wirklich wahr wird. Und doch muss ich für diese Versprechungen gerade stehen auch wenn ich nicht weiß, wie ernst sie von jemandem genommen würden, der einen dieser Verträge kauft.“

Die Intimität dieser Arbeit wird noch gesteigert in der Videoarbeit „Drei Worte“ (2007). Aus einem Bildschirm blickt eine junge Frau den Betrachter an, öffnet den Mund und sagt leise „ich liebe Dich“. Aber auch hier geht durch die ständige Wiederholung die intime Wirkung verloren – die Berührtheit des ersten Moments verfliegt schnell und überlässt den Besucher seinen eigenen Gedanken.

Mach dass alles gut wird – der Titel der Ausstellung ist eine sehnsüchtige, fast flehentliche Aufforderung, auf deren Mischung aus Verzweiflung und Resignation Versprechen antworten, die leer sind, deren Leere vielleicht aber willentlich verdrängt wird - um sich an dem einen Moment festzuklammern, der sich wie ein hauchdünnes Pflaster über offene Wunden legt und für diesen, nur für diesen einen Moment die Illusion erschafft, dass wirklich alles gut wird...

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