Empfehlung
Implizite Bewegung ist enthalten in den Werken von Angelika Arendt. In ihren amorphen und biomorphen Skulpturen und Objekten erscheinen die Formen als Resultat eines wachsenden, oft auch wuchernden Prozesses. Der immer wieder deutlich zu Tage tretende Bezug zu Naturformen wird dabei konterkariert vom betont künstlichen Material, das die Künstlerin verwendet: Industrieller Montageschaum, der seinerseits in der Verarbeitung nur bis zu einem gewissen Punkt formbar ist. Da der Schaum Gase enthält, die während des Trocknungsprozesses entweichen und „treibende“, anschwellende Formen hervorbringen, ist die Gestaltung ihrer Arbeiten für Angelika Arendt nur beschränkt planbar. Neben die künstlerische Formfindung tritt der notwendige Eingriff in die Transformationsprozesse, die das (im übrigen bei unvorsichtiger Verwendung für die Atemwege gesundheitsschädliche) Material mit sich bringt.
Die so entstehenden Skulpturen bestechen durch ihre teils vertraut, teils bizarr anmutenden Formen und ihre intensive Farbigkeit. Es ist wohl kein Zufall, dass Angelika Arendt ihr Studium an der Kunstakademie Karlsruhe in einer Malereiklasse begann – die Farbe erhält in ihren Skulpturen großes Gewicht. Haben die Plastiken ihre Form einmal gefunden, so werden sie schließlich mit Acrylfarbe lackiert, wobei ein jeweils vorherrschender Farbton durch höchst differenzierte Nuancierungen vielfältig moduliert wird. Die keineswegs homogenen, sondern vielteiligen, als ausgreifende Arme, kurze Wülste oder zähe Tropfen ausgebildeten Teilformen, die von einem Zentrum aus nach allen Richtungen zu wuchern scheinen, werden durch die ausgeprägte Farbgebung so beherrschend überlagert, dass sich als Assoziation des Betrachters gelegentlich anstelle des naturhaften Eindrucks jener einer zu Eigenleben erwachten Farbmasse aufdrängt.
Gleichwohl überwiegt die Vorstellung naturähnlicher Formen, wenngleich Angelika Arendt in ihren jüngeren Skulpturen auf die deutlich floralen Motive verzichtet, die ihre früheren Arbeiten kennzeichnen. Zahnstocher stehen nun für kakteenähnliche Stacheln, und mit Gips, Plastikgras und anderen Stoffen werden betont unnatürliche Bestandteile in den Schaum eingearbeitet. Dem Natur nachahmenden, mimetischen Impuls der früheren Werke steht nun ein eher abstrakter Ansatz gegenüber. Volumen und kräftige Farbigkeit suggerieren oft eine materielle Schwere, die durch die tatsächliche Leichtigkeit der Objekte konterkariert wird.

Text: Kassandra Nakas
Internetadresse: www.angelikaarendt.de

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