Bilder auf mobilen Wänden. Stellschirme aus Japan und dem Westen

Laufzeit: 07. Oktober 2014 bis 18. Januar 2015

Eine Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) zeigt mit zwölf japanischen und westlichen Stellschirmen vom 17. bis 20. Jahrhundert den Bedeutungswandel des Stellschirms, der nicht nur Möbel, sondern auch immer ein Bildträger ist. Der ursprünglich aus China stammende Stellschirm erhält in Japan eine ganz eigene Bedeutung und Gestalt. Das traditionelle japanische Haus hat nur wenige feste Wände und Möbel. Man sitzt auf tatami, den mit Reisstroh gefüllten Binsenmatten. Bemalte Stellschirme (byōbu) und Schiebetüren (fusuma) sind ein flexibler Raumtrenner und Sichtschutz.

Wörtlich heißt byōbu: „Wand gegen den Wind“. Der früheste, heute in Japan noch erhaltene Stellschirm stammt aus dem 8. Jahrhundert und befindet sich im kaiserlichen Schatzhaus Shōsō-in in Nara. Für die folgenden 300 Jahre zeugen nur gemalte Bildrollen vom Gebrauch der Stellschirme, die in weltlichem wie buddhistischem Kontext beliebt waren. In den Burgpalästen des Kriegeradels sind sie Symbol für Macht und Reichtum ihrer Besitzer. In den Abtwohnungen der Zen-Tempel bilden sie ein kontemplativ-poetisches Raumelement und zugleich den würdigen Prospekt für die Respektsperson. Wohlhabende Bürger umgeben sich mit Wandschirmen, die das städtische Leben, Feste und Vergnügen zum Thema haben. Ein künstlerischer Wendepunkt ergibt sich durch die Erfindung von Scharnieren aus Papier. Die einzelnen Paneele bilden nun ein zusammenhängendes Bild. Auch die Einführung paarweise aufgestellter Schirme mit übergreifenden Kompositionen und die Neuerung von Malerei auf Goldfolie führen zu imposanten Darstellungen voll Dynamik und Raffinement. Sie folgen einem bestimmten Kompositionsprinzip: Es besteht in einer offenen Mitte und einer jeweils nach außen sich abschließenden Szenerie. Die Darstellung ist stets von rechts nach links zu „lesen“. Die Künstler des Jugendstils und des Art déco lassen sich von den japanischen Stellschirmen zu eigenen Schöpfungen inspirieren. Der Paravent wird zum exotischen Einrichtungsgegen-stand. Das bleibende Interesse an diesem Format ist an Werken von Marc Chagall oder Jim Dine zu sehen.

Die Malerei auf Stellschirmen

Für die Malerei auf Stellschirmen lassen sich grundsätzlich zwei Malrichtungen unterscheiden. Die eine folgt dem chinesischen Vorbild und die andere dem japanischen Stil. Die chinesische Maltradition (kanga) ist überwiegend in monochromer Tusche ausgeführt. Quelle ihrer Themen und Landschaften ist China. Pflanzen wie Bambus oder Kiefern und Tiere, wie Drache, Phönix oder Raubvögel werden seit dem 16. Jahrhundert zu beliebten Symbolen für Macht und Stärke. Vertreter des chinesischen Malstils ist die Kanō-Schule in Edo (heute Tōkyō), die für den Kriegeradel arbeitete.

Die japanische Maltradition (yamato-e) besteht in bunten, opaken Mineralfarben, einer detailreichen Ausführung, kulissenartigen Bildelementen und japanbezogenen Themen. Auf diesen Stil hatten sich die Maler der Tosa-Schule in Kyōto spezialisiert, die im Auftrag des Kaiserhauses tätig waren. Neben den Tosa-Malern trat eine weitere Japan bezogene Malrichtung hervor: die Rimpa-Schule in Kyōto. Ihr von Abstraktion, Flächigkeit und kühnen kontrastreichen Kompositionen bestimmter Malstil wurde berühmt und fand vor allem in der kaiserlichen Familie Zuspruch. Schließlich entwickelte sich in der Momoyama-Periode (1573-1615) eine Malerei, die den Bedürfnissen des wohlhabenden Bürgertums entsprach. Sie stellt das Leben der Städter und Volksfeste dar. Ausgeführt wurde sie von anonymen Stadtmalern, die sich an dem japanischen Malstil der Tosa-Schule orientierten. Die beschriebenen Malrichtungen sind alle in der Ausstellung vertreten.

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