Bilder der Mode. Meisterwerke aus 100 Jahren

Laufzeit: 19. Dezember 2014 bis 03. Mai 2015

Mit einem einzigartigen Überblick demonstriert das Genre Modezeichnung seine Berechtigung als eigenständige Kunstform. Zwar wird Mode seit der Antike abgebildet und seit dem 19. Jahrhundert auch in Zeitschriften und Grafikserien illustriert, doch entstand die Modezeichnung als eigenständiges Format erst mit dem Aufkommen von Modemagazinen wie Vogue, Gazette du Bon Ton oder Harper’s Bazaar. Die Bilder der Mode, die das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) ab dem 19. Dezember zeigt, stammen aus dem Besitz der renommierten Münchner Galeristin, Sammlerin und großen Kennerin der Illustration, Joëlle Chariau.

Die Originale aus dieser Sammlung vermitteln eine Vorstellung vom Wesen der Modezeichnung und ihrer Qualität auf höchstem künstlerischem Niveau. Die über 200 Arbeiten feiern die Kreationen der großen Haute-Couture-Häuser, von Paul Poiret und Coco Chanel über Christian Dior bis hin zu Christian Lacroix, Alexander McQueen, Yohji Yamamoto und Comme des Garçons. Ihre außerordentliche Feinheit und Präzision vermögen oft überzeugender als Fotografie, die Eleganz und die Extravaganz der jeweils neuesten Kollektionen und Kreationen ins Bild zu setzen. Die Sammlung von Joëlle Chariau zeigt diese Entwicklung in sieben Abschnitten anhand beispielhaft ausgewählter Werke. Die ersten beiden Kapitel stellen einen Stil oder eine Epoche vor. Auf das extravagante Art Déco der zehner und zwanziger Jahre folgt der gediegene Stil der dreißiger und vierziger Jahre. Die nächsten Jahrzehnte sind durch ihre herausragenden Zeichner repräsentiert: die fünfziger Jahre durch René Gruau (1909-2004), die sechziger bis achtziger Jahre durch den New Yorker Antonio (Antonio Lopez, 1943-1987), gefolgt von dem Schweden Mats Gustafson (*1951), dem Schweizer François Berthoud (*1961) sowie, als jüngster Künstlerin, der Pariserin Aurore de La Morinerie (*1962).

Joëlle Chariau befasst sich seit den 1980er Jahren mit Modezeichnungen und Modeillustrationen. Ihre private Sammlung – präzise von ihrem Handel getrennt – entsteht neben ihrer Galerietätigkeit und konzentriert sich auf wenige bekannte Namen. Der Sammlerin geht es nicht um ein möglichst breites Spektrum, sondern um wenige herausragende Künstler, die sich auf Modezeichnungen spezialisiert haben und die Entwicklung dieses Genre entscheidend prägten. Die ausgewählten Zeichnungen gehören sämtlich zu den Meisterwerken der Künstler, nicht eine erscheint belanglos oder flüchtig. So lässt sich gut nachvollziehen, dass die persönliche Handschrift und der Stil eines Künstlers in den letzten Jahrzehnten zunehmend Gewicht erhält. Die Interpretation der Mode durch den Künstler wird zum eigentlichen Thema.

Die moderne Modezeichnung – nicht zu verwechseln mit Entwurfszeichnungen zur Mode – entsteht erst in den Jahren um 1910, als die ersten Haute Couturiers ihre neuen Kollektionen in aufwendigen Publikationen vorstellen. Exquisite Zeitschriften wie die Gazette du Bon Ton ziehen das gezeichnete Bild dem Foto vor und setzen sich mit teuren Illustrationen in der Technik des Pochoirdrucks (Schablonendruck) von den Massenmedien des Alltags ab. Die Künstler der Gazette du Bon Ton sind die Gründerväter des Art Déco, allen voran Georges Lepape (1887-1971). Seit dieser Zeit ist die Modezeichnung ständige Begleiterin der Haute Couture. Sie steht nie wirklich in Konkurrenz zur Fotografie, vielmehr entwickelt sie sich zu einem zusätzlichen Medium der Interpretation. Freier als die Modefotografen können Zeichner neue Modeschöpfungen auf einzelne Elemente reduzieren, sie können übertreiben, Farben und Formen frei variieren und das Wesentliche einer neuen Kollektion hervorheben. Auftraggeber der Zeichner sind in der Regel die großen Magazine wie Harper’s Bazaar oder Vogue. Doch geschieht es nicht selten, dass auch die Modehäuser selbst ihre neuen Modelle in gezeichneter Form veröffentlichen. Seit den Zeiten des Modedesigners Paul Poiret arbeiten die besten Zeichner auch für die führenden Modehäuser. Dies kann so weit gehen, dass in der Öffentlichkeit das Bild eines Haute Couture Hauses maßgeblich vom Stil eines Zeichners geprägt ist – eine solche Rolle spielt beispielsweise René Gruau für Dior in den fünfziger Jahren.

Die Sammlung von Joëlle Chariau, in 28 Jahren entstanden, zeugt von der höchst erfolgreichen Zusammenarbeit ihrer Galerie Bartsch & Chariau mit den Künstlern beziehungsweise deren Erben. Die Arbeiten dieser Sammlung waren bisher nur einmal 2011 im Design Museum London zu sehen, wo sie von den Medien und dem Publikum gefeiert wurden.

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